Mittwoch, 5. Juli 2017

Impfen und Homöopathie - passt

Impfen und Homöopathie


Ein Bereich der Krankheiten wird nicht immer hinreichend beachtet, wenn man die Lehren von S. Hahnemann in seinem „Grundwerk zur Homöopathie“, das Organon der Heilkunst sieht: Die festständigen Krankheiten.

Diese sind es, anhand derer man erkennen kann, wie sehr im Grunde die Impfungen für bestimmte, immer in gleicher Symptomatik bei fast jedem und das mit einer epidemischen Ausbreitung auftretenden Krankheiten, in der Homöopathie als „segensreich“ anzusehen sind.

Da sind die Paragrafen 46 bis 56, 73 und 100 des Organon, 6. Ausgabe die Erhellenden.

Das sonst so wichtige Prinzip, dass sich Krankheiten so individuell verschieden zeigen können, dass nicht die Krankheit (mit dem Diagnosenamen) betrachtet werden soll, sondern die individuell auftretende Gesamtheit der Symptome, gilt NICHT für eine kleine Gruppe von (Infektions-) Krankheiten. Diese traten und treten immer wieder mit den gleichen Symptomen bei nahezu jedem Betroffenen (kaum einer bleibt verschont) auf und sie waren für viele Erkrankte tödlich oder mit Dauerfolgen behaftet. Weil sie immer in der gleichen Symptomatik auftreten, nennt Hahnemann sie die „festständigen Krankheiten“ und hält es in deren Falle für gerechtfertigt, gar nötig, ihnen feste Namen zu geben.

Was gehört dazu? § 73:

Da entstehen Fieber … jedesmal von eigner Natur, und weil die Krankheitsfälle gleichen Ursprungs sind, so versetzen sie auch stets die daran Erkrankten in einen gleichartigen Krankheits-Proceß, welcher jedoch, sich selbst überlassen, in einem mäßigen Zeitraume, zu Tod oder Genesung sich entscheidet. Kriegsnoth, Ueberschwemmungen und Hungersnoth sind ihre nicht seltenen Veranlassungen und Erzeugerinnen - theils sind es auf gleiche Art wiederkehrende, (daher unter einem hergebrachten Namen bekannte) eigenartige, acute Miasmen, die entweder den Menschen nur einmal im Leben befallen, wie die Menschenpocken, die Masern, der Keichhusten, das ehemalige glatte, hellrothe Scharlach-Fieber des Sydenham, die Mumps u.s.w., oder die oft auf ziemlich ähnliche Weise wiederkehrende, levantische Pest, das gelbe Fieber der Wüstenländer, die ostindische Cholera u.s.w.“


Wir finden hier die heute als Kinderkrankheiten „verharmlosten“ Infektionskrankheiten Masern, Keuchhusten, Mumps, und ein Form des Scharlach. Zu Zeiten Hahnemann's waren Masern gefürchtete „Säuglings- und Kindermörder“. Unter dem Sydenham-Scharlach Fieber ist eine mögliche Folge dieser Streptokokkeninfektion (ß-hämolysierende Streptokokken Gruppe A) zu verstehen. Es ist das die Autoimmunreaktion des „Rheumatischen Fiebers“.

Zitat dazu: „Das Risiko besteht zu 0,1 bis drei Prozent. In der Vergangenheit kam es häufiger zu der Folgeerkrankung. Jedoch heute betrifft sie Menschen dank guter medizinischer Versorgung mit Antibiotika nur wenige. Rheumatisches Fieber bei Scharlach entwickeln fast ausnahmslos Menschen unter 30 Jahren. Die Mehrzahl der Betroffenen liegt im Alter zwischen fünf und fünfzehn Jahren.“ aus: https://www.scharlach-info.de/rheumatisches-fieber.html

Eine Komplikation ist: „Die Chorea minor ist eine mögliche Spätmanifestation im Rahmen des rheumatischen Fiebers. Sie tritt bei 10 - 15 % der betroffenen Kinder Wochen bis Monate nach der Infektion auf.“ Diese Sydenham – Chorea war das, was dieses besondere „Scharlachfieber“, das in rheumatisches Fieber überging (diese Autoimmunreaktion war zu Hahnemann's Zeiten nicht als solche bekannt!) in seinem Verlauf von den „harmloseren“ Scharlachfällen unterschied.

Hahnemann geht – auch wenn Bakterien und Viren als Krankheitserreger nicht bekannt waren, davon aus, dass solche festständige Krankheiten ausgehen von

§ 100
... wenn man die Epidemien von sich gleich bleibendem Ansteckungszunder, die Menschenpocken, die Masern u.s.w., ausnimmt“

gleichem (gleichbleibendem) Antsteckungszunder ausgehen. Sie entstehen nicht aufgrund bestehender individuelle Krankheitsneigungen, die auch mal eines akuten äußeren Auslösers zum erkennbar werden brauchen, sondern aufgrund bestehender eigener Krankmacher aus der Natur. Keine Folge von genetischen Besonderheiten, Stoffwechselstörungen, ungesunder Lebensweise, sondern Folge von der Übertragung (von Mensch zu Mensch) besonders „kräftiger“ Krankheitserreger. Die Homöopathie nach Hahnemann sieht demnach in bestimmten (festständigen) Krankheiten tatsächlich Infektionen als Ursache, (§73) „die dann gewöhnlich, wenn sie gedrängte Massen von Menschen überziehen, ansteckend (contagiös) zu werden pflegen.“

Die Homöopathie würde niemals das Bestehen von Infektionen abstreiten.

Hahnemann war aufgefallen (und er nimmt Beispiel aus der damaligen medizinischen Literatur hinzu im § 46), dass es Krankheiten zu geben scheint (in der Natur), die andere Krankheiten zur gleichen Zeit nicht zulassen bzw. bestehende andere Krankheiten zum Verschwinden bringen, wenn der Betreffende daran erkrankt war:

Es würden sich sehr viele Beispiele von Krankheiten anführen lassen, die im Laufe der Natur durch Krankheiten von ähnlichen Symptomen homöopathisch geheilt wurden, wenn wir uns nicht einzig an jene wenigen, sich stets gleichbleibenden, aus einem feststehenden Miasm entspringenden und daher eines bestimmten Namens werthen Krankheiten halten müßten, um von etwas Bestimmtem und Unzweifelhaftem reden zu können.
Unter ihnen ragt die, wegen der großen Zahl ihrer heftigen Symptome so berüchtigte Menschenpockenkrankheit hervor, welche schon zahlreiche Uebel mit ähnlichen Symptomen aufgehoben und geheilt hat.

Aber: §50

Die große Natur selbst, hat zu homöopathischen Heilwerkzeugen, wie wir sehen, fast nur die wenigen miasmatischen, festständigen Krankheiten als Hülfe, die Krätze, die Masern und die Menschenpocken,     Krankheitspotenzen, die theils als Heilmittel lebensgefährlicher und schrecklicher, als das damit zu heilende Uebel sind, theils (wie die Krätze) nach vollführter Heilung ähnlicher Krankheiten, selbst Heilung bedürfen, um hinwiederum vertilgt zu werden; beides Umstände, die ihre Anwendung als homöopathische Mittel schwierig, unsicher und gefährlich machen....Und wie wenig Krankheits-Zustände giebt es unter den Menschen, die an Pocken, Masern und Krätze, ihr ähnliches, (homöopathisches) Heilmittel fanden! Im Laufe der Natur können deßhalb auch nur wenige Uebel sich mit diesen bedenklichen und mißlichen, homöopathischen Mitteln heilen und der Erfolg zeigt sich nur mit Gefahr und großer Beschwerde, schon deßhalb, weil die Gaben dieser Krankheitspotenzen sich nicht, wie wir es doch mit Arzneigaben können, nach den Umständen selbst verkleinern lassen;

Hier kommt zum Ausdruck, welchen Schrecken z.B. Pocken und auch Masern (!) damals verbreiteten. Selbst, wenn die Beobachtung zu zeigen schien, dass man mittels denen andere Krankheiten heilen könne, so scheiden diese als Heilmittel wegen der Gefährlichkeit aus. Und es gibt kaum eine Arznei, die in der Lage wäre, eine hinreichend ähnliche Krankheit zu erzeugen, wie es diese gefährlichen festständigen Krankheiten tun – außer diese selbst.

Doch da gab es schon damals etwas Besonderes, die Idee der „Isopathie“ (stammend aus den Erfahrungen mit der ersten Impfung?), dasselbe mit dem selben behandeln. Dazu schrieb Hahnemann im § 56:

Denen, welche zuerst die sogenannte Isopathie zur Sprache brachten, schwebte vermuthtlich die Wohlthat vor Augen, welche die Menschheit durch Anwendung der Kuhpocken-Einimpfung erfuhr, daß dadurch der Eingeimpfte von aller künftigen Menschenpocken-Ansteckung frei erhalten, und gleichsam schon im voraus von letzterer geheilt ward. Aber beide, die Kuhpocken wie die Menschenpocke, sind nur sehr ähnliche, auf keine Weise ganz dieselbe Krankheit; sie sind in vieler Hinsicht von einander abweichend, namentlich auch durch den schnellern Verlauf und die Gelindigkeit der Kuhpocken, vorzüglich aber dadurch, daß diese nie durch ihre Nähe den Menschen anstecken,...
Hier lesen wir etwas, was dem Prinzip der Impfung entspricht und im Grunde der Idee entstammt, mit ähnlichen, aber milderen Infektionskrankheiten die gefährlichen wie Pocken und Masern schon prophylaktisch zu behandeln. Hahnemann nennt das eine Wohltat, was die (Kuh-)Pockenimpfung damals bereits erreicht hat:

.so durch die allgemeine Verbreitung ihrer Einimpfung allen Epidemien jener tödlichen, fürchterlichen Menschenpocken dergestalt ein Ende gemacht haben, daß die jetzige Generation gar keine anschauliche Vorstellung von jener ehemaligen scheußlichen Menschenpocken-Pest mehr hat.
Wichtig dabei: Die Kuhpocken sind nicht gleich den Menschenpocken (Isopathie) sie sind nur ähnlich (Homöopathie). Denn wären sie tatsächlich gleich, dann wären sie schädlich:

Aber mit einem menschlichen Krankheitsstoffe (z.B. einem Psorikum von Menschen-Krätze genomnen, gleiche menschliche Krankheit, Menschen-Krätze oder davon entstandene Uebel) heilen wollen - das sei fern! Es erfolgt nichts davon als Unheil und Verschlimmerung der Krankheit!
Der (Krankheits-)Stoff, aus dem die Arznei gemacht wird, muss ähnlich sein, z.B. veränderte, nicht ursprüngliche Viren, die von sich aus allenfalls mildere Krankheitsbilder ergeben. Das ist das Prinzip der Impfstoffe auch heute.

Hahnemann hat sich deren Entwicklung schon damals gewünscht:

So werden allerdings auch ferner einige, den Thieren eigne Krankheiten uns Arznei- und Heil-Potenzen für sehr ähnliche, wichtige Menschen-Krankheiten darreichen, und demnach unsern homöopathischen Arznei-Vorrath glücklich ergänzen

Kann man bei der Betrachtung des Organon tatsächlich behaupten, dass die Homöopathie Impfungen ablehnen würde? Gar als krankmachend ansehen könnte? Würde Hahnemann heute z.B. gegen Masernimpfungen Sturm laufen? Er wäre glücklich gewesen, wenn es zu seiner Zeit so etwas wie die Kuhpockenimpfung auch gegen Masern gegeben hätte.


Copyright K.-U.Pagel 07 2017
















Mittwoch, 25. Januar 2017

Cholesterin - Mikrozirkulation - Arteriosklerose _ Thesenzusammenfassung

Meine Thesen zu Cholesterin beruhen auf diesen Annahmen:

  1. Die Menge des Cholesterins im Blut ist kein Zufall oder Essen abhängig, sondern Resultat eines biologischen Regelungsgeschehens.
  2. Jede Zelle benötigt zur Regeneration ihrer Membranen (natürlicher Verschleiß durch Gebrauch), Schädigung durch innere oder äußere Faktoren (Entzündungsreaktion ist Folge) oder durch Wachstum und Teilung Cholesterin.
  3. Jede Zelle, die Cholesterin benötigt gibt deswegen einen „CDF-Cholesterol-Demanding-Factor“ ab. Z.B. im Zusamenhang mit der Entzündungsreaktion oder/und ausgelöst von Wachstum steuernden Genen. Auch Hormondrüsen geben einen Anforderungsfaktor ab.
  4. Die Leber hat eine „Grundproduktion“ von Cholesterin, welche je nach Anstieg der Summe der CDF's zunimmt oder bei Abfall abnimmt.
  5. CDF's werden solange von der Zelle gebildet, bis der Bedarf gedeckt ist/Schaden repariert ist.
  6. Bei Störungen dieser Zellfunktionen – Wachstums-/ Heilungsstörungen – wird mehr Cholesterin gebildet – und länger anhaltend als nötig – gegenüber der Cholesterinaufnahme/-verwertung in den betreffenden Zellen. So steigt der Blutspiegel an.
  7. Immer sind irgendwelche Zellen bei Wachstum oder Regeneration oder sind geschädigt. Die Summe, der Schadensumfang, macht den Anstiegt des CDF's aus.
  8. Wenn Zustände herrschen bei denen anhaltend Heilungsstörungen in Geweben – egal welche – vorliegen, dann macht sich das auch über einen Anstieg des Cholesterins bemerkbar. Eine normal ablaufende Zellreaktion hat vielleicht einen anfänglichen Abfall des Cholesterinspiegels zur Folge (Blut bietet Sofortreserve an, die wieder aufgefüllt wird), einen kurzdauernden Anstieg und endet bei einem wieder dem vorherigen Zustand entsprechenden Blutspiegel.
  9. Ein anhaltend hoher Cholesterinspiegel ist Indikator – nicht Ursache – für eine chronische Störung, egal wo. Die Suche danach ist oft nicht einfach.
  10. Die Senkung der Cholesterinproduktion, - vielleicht weil man ohne es zu wissen die Produktion von CDF's reduziert (stört auch die normale Zellregeneration) – ist nur Laborwertkosmetik, heilt aber die Grundstörung nicht, kann aber schleichend diese verschlimmern.

Zur Arteriosklerose:

  1. Jede Arterie weist Stellen auf, die immer wieder aufgund von lokalen Strömungsbedingungen des Blutes wiederholt Intimaschäden bekommen. Bereiche von Abzweigungen oder Engstellen (z.B. durch Druck von umgebenden Gewebe bei Bewegungen von Extremitäten) sind hier prädestiniert.
  2. Gewollte Reaktion: Thrombenbildung, möglichst so klein wie es geht.
  3. Überwachsen von Thromben durch gesundes Intimazellen.
  4. Abbau des Thrombus über unspezifische und spezifische Proteasen (Eiweißbestandteile) und Phagozytose der resultierenden (Zellmembran) Fette, incl. Cholesterin.
  5. Die dazu nötigen Phagozyten erreichen den nun hinter der Intima liegenden Thrombus über die Vasa Vasorum der Arterien, über die Mikrozirkulation der intimanahen Kapillargebiete.
  6. Gelingt diese Heilungsreaktion bleibt keine Ablagerung zurück.
  7. Wenn aufgrund verschiedener Grunderkrankungen der Reparaturthrombus größer als nötig wird, kann die Fähigkeit, diesen abzubauen überfordert sein und lokale langsame Faktoren der „Fettverarbeitung“ (Oxidation) diese Fette ablagerungsfähig machen.
  8. Alle Krankheiten, die – z.B. wegen chronischem Baustoff- oder Hilfsstoffmangel /z.B. Vitamine) verlangsamte Zellfunktionen zur Folge haben (auch Hypothyreose) können Grund für solche Ablagerungen aus Heilungsstörungen werden.
  9. Anhaltende Beeinträchtigungen der Durchblutung der Arterienwand/Mikrozirkulation dort behindern das Abbauen von Fetten aus Thromben und Zelltrümmern (z.B. geschädigte Gefäßmuskelzellen intimanah) und legen so den Grundstein zu Atheromen und Skleromen.
  10. Dazu gehören die klassischen Risikofaktoren wie Hypertonie, vor allem durch Gefäßwandverspannungen (diastolische Hypertonie - fehlende nächtliche Absenkung ist Hinweis) und damit anhaltende Kompression der Vasa Vasorum und intimanahen Kapillaren. Diabetes als „Basalmembranverstopfer“ in den Kapillaren (überall, auch in der Gefäßwand). Rauchen als chronische „Gefäßvergiftung“.

Arteriosklerose – und seine Folgen - ist demnach nicht Folge eines zu hohen Cholesterinsblutspiegels, sondern Folge von (Mikrozirkulationsstöung bedingter) Heilungsstörung der Gefäßwand (intimanah).

Copyright K.-U.Pagel 01.2017

Sonntag, 17. April 2016

Mikrozirkulation - Texte zu Erythrozyten

Texte zu Erythrozyten

Ich stelle hier frühere Texte zu Erythrozyten vor, mit dem Ziel, auch Laien komplexe Vorgänge verständlich zu machen.

Erythrozyten - CO2 Entsorger oder woher weiß der Sauerstoff wo er gebraucht wird

Stellen wir uns die Erythrozytenscheibe wie einen kleinen Staubsauger vor. In der zentralen beidseitigen Eindellung wird in den Gewebskapillaren aus dem Blut in Wasser gelöstes Kohlendioxid (CO2), Kochsalz (NaCl) und viel Wasser (H2O) eingesaugt. Im Zentrum befindet sich das Enzym Carboanhydrase (CA), welches eine Reaktion zwischen den Stoffen herbeiführt: CO2+H2O wird zu Kohlensäure (H2CO3) und diese wird mit NaCl zur Reaktion gebracht. Es entstehen Natriumbicarbonat (NaHCO3) und Salzsäure (HCl). 

 
 Veinfachtes Prinzip der Carboanhydrasereaktion
 

Diese Produkte werden durch den „Filter“ des Hämoglobinringes, der das Zentrum des Erytrozyten zum Rand hin umschließt, zusammen mit Wasser gespült. Das Eiweiß des Hämoglobins bindet das HCl an sich, das NaHCO3 wird zu den Rändern gespült und dort mittels den „Bicarbonatpumpen“ aus dem Ery „geblasen“. 

 

Einfaches Schema Ery mit Carboanhydrase und Bicarbonatpumpen (Sterne in Membran)


 


Übrigens entsteht die zentrale Eindellung der Erythrozyten dadurch, dass Wasser stärker aktiv ausgepumpt wird, als es passiv „nachfließen“ kann

Während das Blut nur wenig CO2 als gelöstes Gas (Gaspartialdruck) transportieren kann, kann es große Mengen CO2, nun in Bicarbonat (NaHCO3) verwandelt, lösen und zur Lunge schaffen.

Im Erythrozyten verformt sich das Hämoglobinmolekül durch die Säurewirkung. Es kann den daran gebundenen Sauerstoff nicht mehr festhalten und dieser verlässt den Ery. Dieser Sauerstoff wird als in Wasser gelöstes O2 Gas nun anstelle (ausgetauscht gegen) CO2 aus den Kapillaren zu den Zellen geschwämmt.

Daher weiß das rote Blutkörperchen wo und wie viel Sauerstoff es abgeben muss: Dort wo im Energiestoffwechsel CO2 produziert wird, wird O2 gebraucht. Und es wird so viel O2 abgegeben wie dann CO2 mittels der Erys in Bicarbonat umgewandelt wird. So im gesunden, optimalen Zustand. Stoffwechselaktive, arbeitende, Gewebe bekommen so mehr Sauerstoff. Durch „ruhigeres“ Gewebe fließen die Erythrozyten hindurch und behalten Sauerstoff.

Was bei „Krankheiten“ bei „Übersäuerung“ mit z.B. Milchsäure passiert (aggressive Sauerstoffradikale), ist ein anderes Thema.

Mit seiner Form verändert das Hämoglobin seine Farbe: „säurefrei“ und mit Sauerstoff daran (hell)rot (arterielles Blut) - durch Säure „verbogen“, mit Säure daran gebunden, schwärzlich (venöses Blut).

In den kleinen Gefäßen der Alveolen kehrt sich der Prozess um. NaHCO3 wird aus dem Blut aufgenommen, durch das Hämoglobin gespült und dort in Reaktion mit der Säure gebracht. Es entsteht wieder NaCl (Kochsalz) und H2CO3 (Kohlensäure), die aus dem Ery gepumpt wird und in den Alveolarwänden zum Hohlraum (Luftraum) hin in Wasser und CO2 zerfällt. CO2 wird abgegeben (Diffusion) in den Alveolenhohlraum. O2 wird von dort aufgenommen (Diffusion), in Wasser gelöst und in die Erys gebracht. Dort reagiert es mit dem (säurefreien) Hämoglobin, dieses wird wieder rot.

Das ist ein fließender Prozess mit nebeneinander stattfindenden Abläufen, den ich hier in einzelne Schritte zerlegt habe.

So erklärt sich die hellere rote Farbe des Blutes, das aus der Lunge kommt und in den Arterien transportiert wird und die dunkle, manchmal fast schwarze Farbe des venösen Blutes, das zur Lunge fließt.

– Achtung Lungenkreislauf: Zur Lunge führt die Lungenarterie vom rechten Herzen her mit venösem(!) Blut; von der Lunge kommt die Lungenvene zum linken Herzen mit arteriellem (!) Blut. 


 
Erythrozyten - warum unterschiedliche Werte zwischen Männern und Frauen?

Bei den roten Blutkörperchen wird gerne die wichtigste Funktion übersehen: Das Wegschaffen des CO2 (Kohlendioxid) aus den Geweben. Zellen haben verschiedene Wege, ihre Funktion auch bei Mangel an Sauerstoff eine Weile fortzuführen (z.B. anaerobe Glycolyse - Glucoseabbau bei Sauerstoffmangel). Jedoch führt ein Rückstau von CO2 ganz schnell zum Stillstand der Zellfunktionen - Blockade des Zitronensäurezyklus.

Wie das CO2 (und Säuren!) aus dem Gewebe mit Hilfe der Erythrozyten abtransportiert wird, ist ein eigenes Thema.

Die Zahl der roten Blutkörperchen richtet sich nach dem Bedarf an Kapazität für den durchschnittlich anfallenden giftigen "CO2-Müll". Gemessen wird dieser in den Nieren. Maßstab ist die durchschnittlich notwendige Menge an Bicarbonat, die die Niere produzieren muss, um Säuren im Körper/Gewebe zu neutralisieren. Auch wie das funktioniert ist ein eigenes Thema.

Reicht die Leistungsfähigkeit der vorhandenen roten Blutkörperchen beim durchschnittlichen CO2 -Anfall (Säureanfall) zur Elimination nicht aus, muss die Niere dann unterstützend eingreifen, dann produziert sie Erythropoietin (lässt neue rote Blutkörperchen im Knochenmark bilden). Es stellt sich so mit der Zeit eine Zahl von Erythrozyten ein, die dem durchschnittlichen CO2-Anfall im Gewebe genügt.

Abhängig ist dieser vom "Grundstoffwechsel" der Energiegewinnung. Aufgrund verschiedener, vor allem hormoneller Faktoren (Östrogen oder Testosteron u.a.) produzieren Frauen (Klimakterium ist Wendezeit) im Durchschnitt weniger CO2 wegen geringerer Energieproduktion in den Zellen als der Mann. Daher sind auch weniger rote Blutkörperchen zur Entsorgung notwendig. Die Frau, die ja Kinder austragen und ernähren (stillen) soll, hat einen weniger verschleißenden Energiestoffwechsel in den Zellen.

Damit braucht sie auch weniger Erythrozyten. So sind die Normwerte der Erythrozyten bei Frauen geringer als bei Männern.

Die Monatsblutung spielt dabei nicht die wichtige Rolle, sie kommt aber aufgrund der weiblichen Hormonsteuerung zustande, die auch für den geringeren Energiestoffwechsel mit weniger "Müll" sorgt.


 
Erythrozyten – Erythropoietin – Niere


Bekannt aus Büchern ist, dass in den Nieren das Erythropoietein gebildet wird. Dieser Stoff wirkt auf die Stammzellen im Knochenmark und regt an, dass diese sich zu Roten Blutkörperchen entwickeln. Es ist der Stoff, der für die Zahl der im Blut vorhandenen Erythrozyten verantwortlich ist.

Näheres dazu kann man aber im Regelfall nicht lesen.

Dazu ein Erklärungsmodell, dass auf meinen Beiträgen zur Funktion der Erythrozyten bei der Entfernung des CO2 (Kohlendioxid) aus dem Gewebe aufbaut.


Bei „Gewebsübersäuerung“, also wenn neben CO2 auch verschiedene Säuren (z.B. Milchsäure) in den Zellen entstehen, die die Erytrozyten – ihr Hämoglobin – verstopfen und so die Abatmung von CO2 in den Lungen stark beeinträchtigen, kommen viele Rote Blutkörperchen mit wenig Sauerstoff aber mit viel Säure, die noch am Hämoglobin hängt aus der Lunge über das linke Herz in die Arterien. Diese Erythrozyten haben dann, zurück zum Gewebe transportiert, kaum Leistung, erneut CO2 aufzunehmen und dabei Bicarbonat ins Blut zu geben. Die Gewebsentsorgung ist behindert, Zell-(zer-)störungen beginnen.

Auch die Erythrozyten leiden unter diesem Zustand. Hält er an, ist die Lebensdauer verkürzt und sie werden früher abgebaut.

Nun kann dem Problem nur abgeholfen werden, wenn aus andere Quelle Bicarbonat entsteht, welches dann in der Lunge die Säure aus den Erythrozyten entfernen hilft. Das ist die Niere, die daneben auch über den Eiweißpuffer (ich werden zu Puffersystemen noch schreiben) mit Hilfe von Eiweiß-Natrium-Salzen „entsäuern“ hilft.

Die Logik, die wir auch aus dem „Großen“ („Arbeitsmarkt“) kennen. Wenn die eigentlichen Arbeiter (Erythrozyten) nicht mehr genügend Leistung bringen und Ersatzarbeiter (Tubuluszellen der Niere) auf Dauer eingesetzt werden müssen, dann ist es sinnvoll, die Stammbelegschaft (also Erythrozyten) zu erweitern. Wenn die Niere nicht nur kurzzeitig sondern auf gewisse Dauer Bicarbonat ins Blut geben muss, dann ist Zeit, Erythrozyten nachbilden zu lassen.

In der Niere wird also nicht die Zahl der vorhanden Roten Blutkörperchen gezählt, sondern ihre Leistung gemessen und entsprechend die Zellzahl angepasst. Bei sehr guter Leistung oder geringerem Bedarf wird die Nachbildung verringert, abgebaute Erythrozyten werden nicht ersetzt, die Erythrozytenzahl sinkt. Dazu auch der Text zu den EryNormwerten oben.


Wenn ein anhaltend verringertes Leistungsniveau (sei es weil Rote Blutkörperchen verloren gingen – Blutung z.B. oder diese bei Übersäuerung überfordert sind) der Erys zu erkennen ist, wird ihre Zahl mittels Erythropoietinausschüttung angehoben. Da ist das „hermetische – magische – Prinzip“ zu erkennen. Wie im Großen – unsere Lebenswelt, so im Kleinen – Zellebene.

Die Tubuluszelle, die selbst ein Carboanhydrase-System hat (siehe erster Link) wird ihr CO2, welches diese aktive Zelle selbstverständlich als ein Energiestoffwechselendprodukt bildet, nicht mehr ans Blut los. Eben wenn die Leistungsfähigkeit der roten Blutkörperchen zur CO2 Elimination verringert ist. Diese Tubuluszelle bildet nun ersatzweise aus dem in ihr entstandenen CO2 selbst Bicarbonat und gibt das ans Blut ab. Mit dieser Funktion ist die Bildung des Erythropoietin verknüpft. Die Details sind hier nicht wichtig, verwirren dann nur und machen das Prinzip unverständlich.


Die Tubuluszelle braucht – wie das rote Blutkörperchen auch – dazu ein Natrium-Salz. Z.B. NaCl oder auch NaHCO3 – Kochsalz und Bicarbonat. Das wurde aus dem Blut im Glomerulum mit dem Primärharn abfiltriert und ist im Tubuluslumen vorhanden. Die Tubuluszelle nimmt bei Übersäuerung Natrium wieder auf und gibt es als Bicarbonat (im distalen Tubulus als Eiweißsalz) zurück ins Blut.

-Daraus: Bei Zuständen mit Gewebsübersäuerung kann so das Natrium im Blut eher höher sein. Idee: Da bei Bluthochdruck auch die Vorstellung mit nachteiliger Wirkung erhöhten Natriums im Blut verbunden wird, könnte eben eine Übersäuerung und der Ausgleichsversuch dazu Grund für die Blutdruckerhöhung sein-.

Im Austausch dazu werden die entstandenen Säuren (die das rote Blutkörperchen an seinem Hämoglobin binden würde) von der Tubuluszelle in den Harn gegeben. Sinkender pH-Wert des Harns bei erhöhter Bicarbonatbildung durch die Niere.

Das als Erklärungsmodell, welches auch Gedanken zu manchen „naturheilkundlichen“ Vorstellungen über Säure im Körper anregen kann.



 
Erythrozyten – Sauerstoffradikale


Im Beitrag: Erythrozyten – CO2 Entsorger… habe ich kurz physiologische Zusammenhänge skizziert. Aus denen geht hervor, wie und wann und wo bei „gesunden“ Abläufen vom Erythrozyten gasförmiges O2 abgegeben wird und gelöst zur Zelle gelangt.

Wenn im Zellstoffwechsel (gesunde wie krankhafteVorgänge) neben CO2 aus dem Sauerstoff nutzenden Energiestoffwechsel (aerob) auch organische Säuren, so die Milchsäure, entstehen, können diese die Bildung von Bicarbonat, damit die CO2-Elimination in und durch die Erythrozyten negativ beeinflussen.

Zunächst einmal sorgt das überall im Körperwasser vorhandene Bicarbonat (NaHCO3) dafür, dass die Säure umgehend verschwindet. Es reagiert von ganz allein mit der Säure. Säure ist gekennzeichnet dadurch, dass sie Wasserstoff abgeben kann. Wenn im Austausch dazu ein anderes Atom, z.B. Natrium (Na) aufgenommen wird, entsteht aus der aggressiven Säure das harmlose Salz der Säure (aus Milchsäure wird mit Na Natriumlaktat). Bicarbonat neigt genau dazu, solche Reaktionen zu fördern. Es gibt gerne sein Natrium an Säuren ab und nimmt dafür Wasserstoff auf. Aus Bicarbonat wird dann Kohlensäure (H2CO3). Diese Säure zerfällt gleich wieder in Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2 - Gas). Reaktion H2CO3 -> H2O und CO2. Nun ist es an den roten Blutkörperchen, dieses CO2 wieder in Bicarbonat zu verwandeln.

Neben diesem „Bicarbonat-Puffer“, gibt es weitere Puffer (z.B. Eiweißpuffer), eigenes Thema.

Ist die Menge an Säuren größer, als vor Ort gepuffert werden kann, gelangt Säure in die roten Blutkörperchen. Dort lagert es sich an das Hämoglobin an. Das Hämoglobin kann nun nicht mehr die bei der CO2-Umwandlung (in Bicarbonat) entstehende Säure binden. Das gleichzeitig entstehende Bicarbonat wird zusammen mit der Säure aus dem Ery gepumpt und reagiert sofort mit dieser Säure. Es entsteht gleich wieder CO2, aber es fehlt dann Bicarbonat zur Säurepufferung z.B. der Milchsäure. Diese reichert sich immer mehr an usw.

Das Hämoglobin mit – egal welcher Säure daran – kann den Sauerstoff (O) nicht mehr halten. Dieser Sauerstoff (4 Atome pro Hämoglobinmolekül) kommt ins Wasser des Blutes. Da jedoch dieses noch (oder wieder) voll ist mit CO2-Gas, kann kein Sauerstoffgas zusätzlich gelöst werden. Statt, dass 2 O2 Moleküle als Gas gelöst werden können, suchen nun 4 Sauerstoffatome dringend nach einem Reaktionspartner. In aggressiver (radikaler) Weise greifen sie sich alles geeignete. Gerne auch Bestandteile von Zellmembranen, hier essentielle (reaktionsfreudige) Fettsäuren (z.B.Vorstufen der Prostaglandine). Zellmembranschäden entstehen, die zum Beispiel die Entzündungskaskade in Gang setzen können.







Copyright K.-U.Pagel 04 2016







Mittwoch, 19. August 2015

Demnächst hier: Thema Angst und Krankheit

Vorankündigung

Als nächste Textreihe ist das Thema "Angst" vorgesehen, abgeleitet auch aus der Selbstregulationskraft/Selbsterhaltungskraft, die Hahnemann in seiner Lehre herausgearbeitet hat (siehe frühere Texte hier). Als etwas, was mit dem Leben verbunden ist und erst durch "Erkenntnisfähigkeit" seine krankmachenden Folgen entwickeln kann.

Es ist auch ein Einstieg in die Psychosomatik und greift die verschiedenen Formen der "Angstbewältigung" auf, Verdrängungen, Religionen, Kulturen usw.

Das Thema ist vielschichtig und fasst viele Bereiche zusammen: Philosophie, alte Geheimwissenschaften, Psychologie, Biologie und Medizin sowie Religionen.

So kann es kommen, dass manches zunächst schwer verständlich erscheint - man kann nicht überall das nötige Vorwissen haben, vielleicht den Denkansatz nicht sofort verstehen und nachvollziehen kann. Vielleicht muss man sich erst von Kapitel zu Kapitel arbeiten um manches dann "plötzlich" doch zu erkennen.

Es kann sein, dass von manchem, wie es geschrieben wird, eine Resonanz im Leser erzeugt wird: Vorurteile und Ablehnung aktivieren, die schon da sind, das Weltbild scheinbar ankratzen aber auch im Kopf viele Beispiele erscheinen lassen, in denen man das Gelesene wiederzufinden meint.

Es lohnt, zu hinterfragen, warum das Gelesene irgendetwas im Leser angesprochen hat, warum er mit Emotionen in positive oder negative Resonanz tritt. Denn: Die Angst steckt in jedem und ist mehr oder minder gut unterdrückt oder ins Leben (positiv) eingebaut.

Sonntag, 12. Juli 2015

Homöopathie nach Hahnemann – Übertragen auf heute



Homöopathie nach Hahnemann – (meine persönliche) heutige“ Sicht von Gesundheit und Krankheit – Lebenskraftprinzip

Samuel Hahnemann hat mit seiner Lehre von Gesundheit und Krankheit als Grundidee der Homöopathie den Gedanken neu in die Medizin eingebracht, dass das, was man als Körperzeichen sieht (Symptome), der Ausdruck der Inneren Regulation/Selbsterhaltung auf Einflüsse von Außen und auf „Messwerte“ betreffend der inneren Vorgänge ist. Er nannte dieses Prinzip, ein dynamisches Prinzip, die Lebenskraft. Dabei bezog er sich bei dem Wort Kraft auf das, was aus der wissenschaftlichen Physik seiner Zeit als Kräfte bekannt war. Kräfte bewirken mit ihrer Einwirkung alle feststellbaren Veränderungen. Jedoch kann man die Kraft selbst nicht sehen. Sie ist wie ein Geist/Gespenst unsichtbar. Was man an Veränderungen (Dynamik) beobachtet geschieht „wie von Geisterhand bewegt“.

Wie sich ein lebender Organismus auf jeweilige innere oder äußere Bedingungen (Veränderungen der Bedingungen) anpasst, ist verschieden. Zum einen spielt die Art des Organismus eine Rolle: Tiere, Pflanzen, Menschen – ja auch Mineralien mit den ihnen innewohnenden Strukturgebungskräften. Zum anderen können beim Menschen ganz individuell unterschiedliche (aber zur Lebenskraft Mensch gehörende) Variationen der Anpassung gefunden werden.

Beim Menschen sind diese Regelprinzipien grundsätzlich darauf ausgerichtet, den Organismus immer am Leben zu halten (solange ihm Leben vorgesehen ist), auch bei allen Widrigkeiten von Außen (Hunger, Durst, Jahreszeiten usw.). So ist die Symptomatik bei Infektionen (die Zeichen der Selbsterhaltungsbemühungen) keine Krankheit, sondern Zeichen des (gesunden) Selbsterhaltungsversuchs und der Gegenwehr (Gegenreaktion) gegen schädliche Einflüsse (Erreger).

Hahnemann hat eine physiologische Medizin beschrieben, bei der der Körper mit seinen gegebenen Möglichkeiten eine Antwort/Gegenwirkung gegen Einflüsse von Außen gibt, um sich im überlebensfähigen Gleichgewicht zu halten – sich dahin zurück zu bringen.

Krankheit bedeutet danach, dass dieses Regelprinzip, die vorgegebenen Anpassungsstrategien irgendwie gestört wurden. Falsche Programme, unangemessene Programme laufen. In dieser Situation kann der Organismus den (krankmachenden) Einfluss nicht ausgleichen. Er macht statt dessen – auch das ist zur Lebenserhaltung nötig – Kompromisse. Wenn z.B. durch eine Störung ein Organ nicht hinreichend durchblutbar ist, erhöht er den Blutdruck (und alles ist gut). Auch wenn dieser Ausgleichsversuch auf Dauer gehalten werden muss und dann seinerseits zu „Schäden“ führen kann. Lieber eine Kompensation durch weniger Schädliches als am „Grundschaden“ in kurzer Zeit versterben.

Während die gesunde Lebenskraft= die Selbsterhaltungskräfte= innere Regulation immer dafür sorgt, dass früher oder später wieder der (durchschnittliche) gesunde Zustand erreicht wird, geht das bei gestörter Lebenskraft= inneren Regulation eben nicht mehr. Ein „Innerer Arzt“ eine Selbstheilungskraft ist dann nicht gegeben. Bei dieser Störung, dann Krankheit, ist Hilfe von außen (Heilkundler) notwendig mit Arznei oder anderen angemessenen Mitteln.


Die physiologischen „Anpassungsmuster“ sind zum einen über die Gene abgesteckt. Was der Organismus tun kann, ist abhängig davon, dass solche Gene überhaupt vorhanden sind. Wer keine Gene hat zur Entwicklung von Beinen, hat keine solchen Beine.

Hat er aber Gene für Beine und entsprechende Beine entwickelt, so bestimmen wiederum Gene wie die Beine benutzt werden. Dabei ist nicht nur ein Gen aktiv. Eine Zahl verschiedener Gene wirkt zusammen. Fehlt eines davon, dann sind die möglichen Reaktionen beschränkt. Fehlt ein Gen oder ist es falsch „geschrieben“ und durch Vererbung weiter gegeben („Miasmen“ im Sinne von Hahnemann), so ist die jeweilige Krankheit (Anpassungsstörung) genetisch bedingt.

Zum anderen können Einwirkungen diese Genprogramme („erworben“) verändern. Gifte können es bewirken, dass notwendige Stoffe nicht mehr gebildet werden können (Enzyme dauerhaft gestört) oder diese Stoffe falsch und wirkverändert entstehen. Gene können durch Einwirkungen (hier auf Zellen in bestimmten Organen oder Körperteilen) verändert werden. Physikalisch z.B. durch Strahlung oder chemisch durch „Toxine“. Beispiel hier unter anderem die Krebsentstehung.

Auch bereits während der Entwicklung des Organismus aus der befruchteten Eizelle können Teilungsfehler zu Chromosomen-, damit zu Genveränderungen führen, die sich dann auf den ganzen Organismus zeitlebens auswirken. In bestimmten Organentwicklungsphasen, können Einwirkungen, vom Alkohol über Medikamente bis zu Zellgiften, das jeweilige System schädigen und bestimmte Anpassungsmöglichkeiten verändern oder unmöglich machen.

Sogar anhaltende innere „Regulationsstörungen“ der werdenden Mutter können Einfluss darauf nehmen, welche Anpassungsmöglichkeiten beim Kind später bevorzugt oder nicht benutzt werden. Das geht z.B. über (Stress-) Hormone, die die Mutter wieder und wieder ausschüttet (Lebensumstände). Aber auch dadurch, auf welche Umweltbedingungen sich die Mutter einstellen musste. So können die Monate der Austragungszeit einen (kleinen) Beitrag dazu leisten, auf welche Lebensbedingungen das in einem bestimmten Monat geborene Kind eher eingestellt ist.

Da wären wir bei der Paragenetik.

Doch wann sind welche Symptome Zeichen einer angemessenen Anpassungsreaktion oder einer Anpassungsstörung (Krankheit)? Das ist individuell verschieden. Wird jemand in einer bestimmten genetisch festgelegten „Gestalt“ geboren, so ist das die Grenze, innerhalb der überhaupt seine Selbsterhaltung gestalten kann. Siehe Beispiel Beine oben.

Dem Lebewesen ist es z.B. nicht möglich, auf übliche Weise Nahrung zu bekommen. Weder das Sammeln gehen noch das Jagen ist dann in typischer Weise möglich. Es müssen andere Strategien gefunden werden. Fortbewegung durch Kriechen z.B. und es muss Nahrung gewählt werden, die nicht so leicht entkommen kann. Die Möhren würden sich hier anbieten, aber nicht der Hase. Das Fortbewegen durch Kriechen aber auch die vorwiegende Art der Ernährung führen dazu, dass aus den genetisch gegebenen Möglichkeiten ein individuell optimal lebenserhaltendes Verhalten entsteht. Der Gebrauch des Körpers und seiner Muskeln passt sich ebenso an wie die Funktionen des Verdauungssystems. Entsprechend arrangiert sich der Darm auch mit den dadurch begünstigten Bakterien. Und das alles innerhalb der Variationsmöglichkeiten, die über Gene vorgegeben sind. Entsprechend passt sich auch die Paragenetik an. Bestimmte Funktionen werden zu den bevorzugten (gelernt), andere fallen weg.

Das wäre dann jedoch keine Krankheit. Auch wenn die Beine fehlen, kann der Betroffene von der inneren Anpassung, der Selbsterhaltungsreaktion, der Lebenskraft her gesund sein. Er hat nur stärkere Armmuskeln bekommen und sein Darm hat sich auf entsprechende Kost eingestellt (und kann andere nun weniger gut vertragen). Solches (präferierte Reaktionsweisen) kann in gewissem Umfang auf Nachkommen weiter gegeben werden, ohne dass jedoch der genetische Text geändert wird.

Eine bevorzugte Nutzung von Genen ist keine genetische Änderung. So kennt man Erbkrankheiten, die dominant vererbt werden (das kranke Gen wird immer wirksam) oder rezessiv (das kranke Gen wird durch das gesunde verdrängt). Es ist zum Teil noch unklar, warum im einen Fall das kranke Gen bevorzugt und im anderen das gesunde an Stelle des kranken tritt.

Diese Paragenetik ist ein biologisches Prinzip. Es ist biologisch sinnvoll, dass das Kind bereits von den Eltern auf wahrscheinliche Umweltbedingungen/Anpassungsnotwendigkeiten vorbereitet ist. Vielleicht sind so die Instinkte „programmiert“ worden? Das ist eine Art von „Lernen“, von Wissensweitergabe. Jedoch – nicht vergessen – geht das nur innerhalb der Grenzen, die durch existierende Gene gesteckt werden.

Verändern sich Gene selbst (Mutationen) führt das meist zu einem Lebewesen, welches selbst bei bestem Bemühen nicht überlebensfähig (und fortpflanzungsfähig) ist.

Es ist Aufgabe des Arztes, des Heilpraktikers, festzustellen, wann Anpassungszeichen (Symptome) nicht zu den angeborenen Notwendigkeiten passen. Die Selbstregulation nicht zum möglichst langen Leben führt. Das ist im individuellen Fall festzustellen. Er muss unterscheiden können, ob die Lebenskraft, Selbsterhaltung, gestört ist oder vielleicht wegen unpassender Lebensweise/Umstände oder durch anhaltende Belastung von außen eine ständige (auffällige, auf Dauer vielleicht krankmachende) Regulationsstrategie verwendet werden muss.

Achtung! Es geht darum, dem individuellen Einzelnen gemäß seiner besonderen „Fähigkeiten“ und „Schwächen“ zu helfen, diesen „Mangel“ zu erkennen und zu beheben – wenn möglich. Manches ist einfach gegeben, wie die Region, in der man leben muss (Sibirien, Wüste Gobi usw.). Und so können „auffällige“ Anpassungsreaktionen wie bevorzugen oder ablehnen von bestimmten Speisen – vielleicht weil sich der Körper darauf (paragenetisch oder durch genetische „Selektion“) eingestellt hat – für den Betreffenden gesund sein. Wenn jemand bestimmte Nahrungsbestandteile schlechter „verdaut“ als ein anderer, muss das noch lange keine behandlungsbedürftige Krankheit sein. Er muss gemäß seinen Möglichkeiten leben und etwas lassen oder bevorzugen.

Achtung! Hier ist zu unterscheiden von pauschalen Lebens-, Ernährungs- und Gesundheitstipps. Diese haben mit Heilkunde nichts zu tun. Mögen aber ein lohnendes Geschäftsfeld sein.

So wie zu Hahenmanns Zeiten die Kenntnis der Grundlagen in Anatomie (statisch), vor allem Physiologie (dynamisch) notwendig war, so sind es die heutigen Kenntnisse auch, aber das Grundprinzip von Gesundheit und Krankheit ist gleich. Auch wenn Kenntnisse gewachsen sind.

Naturwissenschaft war Hahnemanns Grundlage, nicht eine „Lebensphilosophie“, die als „Gedankenwelt“ entstanden ist. Und so ist es heute in der Heilkunde geblieben.

Selbst in der Psychologie, von manchen „Seelen(heil)kunde“ genannt. So wie Hahnemann die Psyche nicht von den Regelkreisen des Organismus, von der Lebenskraft, abgetrennt hat und nicht als eigenständige „geistige im philosophischen Sinne“, Struktur, die aus eigener „Sicht“ auf den Organismus einwirkt, sieht, so wäre die Psyche in diesem Sinne als ein dynamisches Selbsterhaltungselement des Organismus zu sehen. Auch heute noch.

In der Evolution hat sich ein Gehirn entwickelt, das beim Menschen seine Reaktionen auf Einflüsse auch in die Zukunft gerichtet lenkt. Es hat sich ein Zeitgefühl entwickelt. Dieses unterscheidet zwischen „(gerade) vorbei“ und aktuellen „Realitäten“ (die Gegenwart ist schon vorbei, wenn wir sie spüren). Es hat erkannt, dass auf das extrem kurze Jetzt ein Danach, ein Morgen, folgen wird. In dem wiederum Anpassungen nötig sind, die das Überleben ermöglichen sollen.

Sind wir froh, dass es bis eben gelungen ist, den Einflüssen von Außen, die wir nicht wirklich bestimmen können, überlebend zu widerstehen, so stellt sich die Frage, ob das nachher (morgen) wieder möglich sein wird. Erkennen der Zeit bedeutet auch, erkennen, dass das Morgen wieder die Bedrohung des Weiterlebens sein (bringen) kann. Wir haben erkannt, dass wir nicht einmal Einfluss darauf haben, was der Nachbar machen wird, was er in seinem Interesse gegen uns im Schilde führt. Noch weniger können wir – trotz der modernen Meteorologie – absehen, ob ein Wirbelsturm sich im Gewitter entwickelt oder eine Überschwemmung die Ernten vernichten wird.

Wir haben vielleicht aus dem Gestern gelernt, was, welche Einflüsse, so etwas damals bewirkt haben könnte und können nun vielleicht vermeiden, solche Bedingungen wieder zu schaffen. Aber: zu viele weitere Parameter, die wir vielleicht noch nicht kennen oder/und nicht beeinflussen können, können morgen dazu eintreten.

Aus dem inneren Selbsterhaltungssystem, welches das Überleben irgendwie sichern soll, resultiert auch das Wissen, dass es Umstände geben kann, die solches erschweren oder unmöglich machen. Dem Leben ist der Wunsch zu Leben immanent. Sterben (der Tod) ist deswegen bedrohlich. Verlustangst: Angst vor dem Verlust des Lebens ist die Urangst des Lebenden.

Und es ist vielen Religionen gleich, dass sie dazu helfen sollen, vor dem Tod keine Angst mehr zu haben. Sei es wegen der Idee eines ewigen Lebens, in das man durch den Tod gelangt. Einer Idee eines ewigen Friedens und ewigen Glückseligkeit durch den Tod, oder was auch immer an Vorausschau auf das Morgen.

Solche Vorausschau hat das Gehirn entwickelt. Zum einen, um besser auf das Morgen vorbereitet zu sein, aus dem Erlebten und den Lösungen damals zu lernen und Handlungsmuster für morgen zu haben. Zum anderen aber als Quelle der Urangst: Was ist, wenn die Bedingungen so sind, dass ich mich nicht mehr anpassen kann?

Und die Bedingungen können vieles bedeuten: Menschen können fehlen, die mir helfen, Missernten können eintreten, man kann einen Unfall haben … Immer ist es die Angst vor dem Verlust, hier konkreterer Dinge als nur allgemein des Lebens. Aber Dinge, die das Leben ermöglichen.

Und es (das Gehirn) fängt schon vor dem Morgen an zu überlegen, was notwendig sein könnte, was man es behalten müsste oder bekommen müsste, um morgen noch zu überleben. Man hat aus der Vergangenheit gelernt, was das Überleben sicherte. Entsprechend wird man Wert darauf legen, das wieder zu haben (es können auch Menschen sein, Bezugspersonen).

Dazu kommt „Virtuelles“. Jemand anderes, eine Gesellschaft kann – im Regelfall aus dem Wunsch, sich dadurch eigene Vorteile für morgen zu verschaffen – einem Menschen „einreden“, was er für wichtig halten müsse. Wonach er streben müsse, um morgen nicht sterben zu müssen. Das können Waren sein, aber auch Weltanschauungen. Aber immer mit dem Hintergedanken, dadurch Vorteile (z.B. Geld genug oder Macht) zu bekommen. Indem man den, dem man „Angst“ gemacht hat (weil er etwas angeblich nötige nicht hat) zum zahlenden Kunden macht.

Konsum wird hier zum angstlösenden Faktor, wie es auch der Hirnforscher Gerald Hüther gesagt haben soll. Sich jetzt etwas schaffen, was vielleicht für das Morgen mehr Überlebenschancen zu geben in der Lage wäre.

Und dieses „Steuerelement“ Psyche hat schon immer, seit es sich mit zunehmenden Fähigkeiten bis zum jetzigen Gehirn entwickelte eine Rolle gespielt. Für die Entwicklung von Religionen wie für Kultur und Wirtschaft. Doch das Denken ist gebunden an das leibliche Sein und die dazu gehörenden (vielleicht auch erdachten) Überlebensnotwendigkeiten.

Selbst die abgehobensten Ideen, die „überirdisches“ Sein aus einer „göttlichen“ Welt propagieren, sprechen nur mit den Worten und Bildern des biologischen Seins und geben nur wider, was materiell ist: Man soll etwas Lernen, ein höheres Selbst erlangen, sich transformieren usw. Warum? Eben um in eine Form zu kommen, in der der Tod keine Bedrohung mehr ist.

Auch die Psyche, auch das Denken ist so den Prinzipien, Genen und Epigenetik der Lebenskraft, der Selbsterhaltungskräfte, zugehörig. Sie sind aufs Jetzt und Hier – damit ein Morgen noch sein soll (Überlebenswillen) - zugeschnitten. Und sie sollen helfen, die Urangst, Verlust des Lebens, zu besänftigen.


Der Urangst steht an sich entgegen, dass man einfach nur sich selbst vertrauen können soll, dass die eigenen Selbsterhaltungskräfte es schon richten werden, egal was kommt. Dass der „Schöpfer“ des Lebens, es eben so eingerichtet hat, dass es sich selbst erhalten kann. Ohne alles mögliche erwerben zu müssen. Wenn man sich nur den (individuellen) Notwendigkeiten nach verhält. So wie es ist, ist es an sich gut (auch wenn mancher von Menschen geschaffene Wertmaßstab anderes sagen will).

Und man sollte vertrauen, dass einige Menschen aus dem Leben (auch dem Wissen der Vergangenheit) soviel Kenntnisse gewonnen haben, im Falle der Krankheit als Heilkundige individuelle Hilfe geben zu können. (Ohne sich selbst als Zentrum zu sehen, eigene Gewinne im Vordergrund zu sehen, sich selbst verwirklichen zu wollen oder um das eigene Seelenheil zu retten). Die Heilkundigen erkennen, wo diese Hilfe Grenzen hat und akzeptieren auch, - ohne Angst –, dass es den Tod geben muss und dass das Sterben, der Weg in den Tod, erträglich gestaltet werden kann. (Paliativmedizin).

Copyright K.-U.Pagel 07.2015


Ein Aspekt zur Impfdiskussion hier nachgetragen (Juli 2017): https://pagelsheilkundetexte.blogspot.de/2017/07/impfen-und-homoopathie-passt.html
 

Sonntag, 10. Mai 2015

Homöopathie nach Hahnemann - Der Potenzierer wirkt auf Arznei ein?

Homöopathie nach Hahnemann – Einwirkungen auf Arzneien/Wirkveränderungen durch Schütteln


Betreffend Hahnemanns späte Lebensjahre schrieb ich im vorangegangenen Teil, mit Blick auf die sehr viel jüngere (den greisen Berühmten dominierende) Ehefrau: Dazu übernahm sie viele Aufgaben in der Aufzeichnung der Fälle und wirkte auch an den Änderungen in der 6. Auflage des Organon mit (fertig 1943, Todesjahr von Hahnemann). In der dann der Bruch mit der bisher logisch- wissenschaftlich- physiologischen Medizinidee in Form der LM (Q) Potenzen aufgenommen wurden. Die Auflage 5, fertig 1833, kannte diese noch nicht. Die 6. Auflage erschien wegen des Widerstandes klassischer Homöopathen, die eben solche Veränderungen sahen, die sie Hahnemann nicht zuordnen konnten, erst 1921.

Da hatte ich den Focus unter anderem auf seine „Spätentwicklung“ Q- oder LM-Potenzen gerichtet und auf seine „aus seiner logischen Bahn geratenen“ Erklärungsversuche zur „Dynamisierung“ von Arzneien. Hier ein Blick auf seine Ideen (waren es wirklich seine und auf Grund welcher tatsächlichen Erfahrungen entwickelt), wie vor jeder neuen Gabe die Arznei „verändert“ werden müsse.

In der 5. Auflage (1833) taucht so etwas nicht auf. Dort heißt es in den Paragraphen

246
Langsam hingegen fortschreitende Besserung auf eine Gabe von treffend homöopathischer Wahl vollendet zwar auch, wenn sie recht fein ist, zuweilen in ihrer ohne Anstoss fortgehenden Wirkungsdauer die Hülfe, die dieses Mittel überhaupt in diesem Falle seiner Natur nach auszurichten im Stande ist, in Zeiträumen von 40, 50, 100 Tagen. Aber theils ist diess selten der Fall, theils muss dem Arzte, so wie dem  Kranken viel daran liegen, dass, wäre es möglich, dieser Zeitraum bis zur Hälfte, zum Viertel, ja noch mehr abgekürzt, und so weit schnellere Heilung erlangt werden könnte. Und diess lässt sich auch, wie neuere, vielfach wiederholte Erfahrungen gelehrt haben, recht glücklich ausführen unter drei Bedingungen: erstens, wenn die Arznei mit aller Umsicht recht treffend homöopathisch gewählt war – zweitens, wenn sie in der feinsten, die Lebenskraft am wenigsten empörenden und sie dennoch gehörig umstimmenden Gabe gereicht, und, drittens, wenn eine solche feinste, kräftige Gabe der best gewählten Arznei in angemessenen Zeiträume wiederholt127] wird, die von der Erfahrung als die schicklichsten ausgesprochen werden zur möglichsten Beschleunigung der Cur, doch ohne dass die zur ähnlichen Arzneikrankheit umzustimmende Lebenskraft zu widrigen Gegenwirkungen sich aufgeregt und empört fühlen könne.

247
Unter diesen Bedingungen können die feinsten Gaben der best gewählten homöopathischen Arznei mit dem besten, oft unglaublichen Erfolge in Zeiträumen von 14, 12, 10, 8, 7 Tagen wiederholt werden, und, wo Eile nöthig ist, in chronischen, den acutensich nähernden Krankheits-Fällen, in noch kürzern Zeiträumen, bei acuten Krankheiten aber in noch weit kürzerer Zeit, – nach 24, 12, 8, 4 Stunden, in den acutesten, sogar nach 1 Stunde, bis zu jeder fünften Minute – alles, nach Massgabe des mehr oder weniger schnellen Verlaufs der Krankheit und des angewendeten Arzneimittels, wie in der Anmerkung bestimmter erklärt wird.


und 248
Die Gabe derselben Arznei wird einige Mal, nach den Umständen, doch nur so lange wiederholt, bis entweder Genesung erfolgt, oder bis dasselbe Mittel aufhört, Besserung zu bringen und der Rest der Krankheit, in einer abgeänderten Symptomen-Gruppe, eine andre homöopathische Arznei erheischt.

Die Arznei wird also einfach so fortgegeben, ohne erneut darauf einwirken zu müssen. Das war das Resultat vieler Jahre Arbeit damit. Nun, in seiner Pariser Zeit, als „alter Mann einer jungen Frau, die es genoss, im Rufe ihres Mannes zu agieren, schreibt er (alles selbst?) in der 6. Auflage des Organon:

 § 246 Jede, in einer Cur merklich fortschreitende und auffallend zunehmende Besserung ist ein Zustand der, so lange er anhält, jede Wiederholung irgend eines Arznei-Gebrauchs durchgängig ausschließt, weil alles Gute, was die genommene Arznei auszurichten fortfährt, hier seiner Vollendung zueilt. … Eine Gabe treffend gewählter, homöopathischer Arznei die Hülfe, die dieses Mittel in solchem Falle seiner Natur nach auszurichten im Stande ist, in einem Zeitraume von 40, 50, 60, 100 Tagen. Aber theils ist dies sehr selten der Fall, theils muß dem Arzte, so wie dem Kranken viel daran liegen, daß, wäre es möglich, dieser Zeitraum bis zur Hälfte, zum Viertel, ja noch mehr abgekürzt und so weit schnellere Heilung erlangt werden könnte.
Und dieß läßt sich auch, wie neueste, vielfach wiederholte Erfahrungen mich gelehrt haben, recht glücklich ausführen, unter folgenden Bedingungen: erstens, wenn die Arznei mit aller Umsicht recht treffend homöopathisch gewählt war - zweitens, wenn sie hoch potenzirt, in Wasser aufgelöst und in gehörig kleiner Gabe in, von der Erfahrung als die schicklichsten, ausgesprochenen Zeiträumen zur möglichsten Beschleunigung der Cur gereicht wird, doch mit der Vorsicht, daß der Potenz-Grad jeder Gabe von dem der vorgängigen und nachgängigen Gaben um Etwas abweiche, damit das, zur ähnlichen Arzneikrankheit umzustimmende Lebensprincip, nie zu widrigen Gegenwirkungen sich aufgeregt und empört fühlen könne, wie bei unmodificirt erneuerten Gaben, vorzüglich schnell nach einander wiederholt, stets geschieht *).
Die wesentliche Abweichung habe ich unterstrichen.
 § 247 Ganz dieselbe, unabgeänderte  Gabe Arznei, selbst nur einmal, geschweige viele Male nach einander (und, wenn die Cur nicht verzögert werden soll, in kurzen Zeiträumen) zu wiederholen, bleibt ein unausführbares Vorhaben. Das Lebensprincip nimmt solche ganz gleiche Gaben nicht ohne Widerstreben an, das ist, nicht ohne andere Symptome der Arznei laut werden zu lassen als die, der zu heilenden Krankheit ähnlichen, weil die vorige Gabe schon die von ihr zu erwartende Umstimmung des Lebensprinzips vollführt hatte, eine zweite, an Dynamisation ganz gleiche, unveränderte Gabe derselben Arznei daher ganz dasselbe auf das Lebensprinzip nicht mehr auszuführen vorfindet. Nun kann der Kranke durch eine solche unabgeänderte Gabe nur noch anders krank, im Grunde nur kränker werden als er schon war, indem jetzt nur diejenigen Symptome derselben Arznei zur Wirkung übrig bleiben, welche für die ursprüngliche Krankheit nicht homöopathisch sind, also kann auch kein Schritt vorwärts zur Heilung, sondern nur wahre Verschlimmerung des Kranken erfolgen. Sobald man aber die folgende Gabe jedesmal in ihrer Potenz um etwas abändert, das ist, etwas höher dynamisirt, (§. 269., 270.) so läßt das Kranke Lebensprinzip sich unbeschwert ferner durch dieselbe Arznei umstimmen (sein Gefühl von der natürlichen Krankheit ferner vermindern) und so der Heilung näher bringen.

Nun macht er was ganz anderes daraus. Er verlangt, dass jedesmal vor Gabenwiederholung die Arznei in der Potenz etwas „verändert“ wird. Eine Arznei, die unverändert wiederholt wird, soll danach sogar dem Patient „ nicht wieder wohl getan“ haben.

Im § 248 führt er dann aus:

Zu dieser Absicht wird die Arznei-Auflösung 1)vor jedem Male Einnehmen (mit etwa 8, 10, 12 Schüttel-Schlägen der Flasche) von Neuem potenzirt, wovon man den Kranken Einen, oder (steigend) mehrere Kaffee- oder Thee-Löffelchen einnehmen läßt, in langwierigen Krankheiten täglich, oder jeden zweiten Tag, in acuten aber, alle 6, 4, 3, 2 Stunden, in den dringendsten Fällen, alle Stunden und öfter. So kann in chronischen Krankheiten, jede richtig homöopathisch gewählte Arznei, selbst die, an sich von langer Wirkungs-Dauer, in täglicher Wiederholung Monate lang eingenommen werden, mit steigendem Erfolge. Ist aber die Auflösung (in 7, 8, oder in 14, 15 Tagen) verbraucht, so muß zu der folgenden Auflösung derselben Arznei - wenn ihr Gebrauch noch angezeigt ist - ein, oder (obwohl selten) mehre Kügelchen von einem andern (höhern) Potenz-Grade genommen werden, womit man so lange fortfährt, als der Kranke noch immer mehr Besserung davon spürt, ohne eine oder die andre, nie im Leben gehabte bedeutende Beschwerde davon zu erleiden. …

Glaubt man seinen Ideen, dann würde eine Arznei (hier in flüssiger Form, Auflösung) neue Wirkungen zeigen. Das Schütteln der Flasche würde einen neue Potenzierung bedeuten. Das widerspricht seiner bisherigen Logik. Potenzieren ist nicht schütteln allein. Zumindest was das angebliche Auslösen von Erstreaktionen, Erstverschlimmerungen der unveränderten Arzneiwiederholung betrifft, würde man dieses vermeiden können Hat er das die ganzen Jahre vorher tatsächlich so beobachtet? Welche Patienten konnte ein Arzt damals wirklich über viele Wochen beobachten?

Ich habe so etwas in den über 30 Jahren homöopathischer Arbeit nicht beobachten können: Später auftretende Erstverschlimmerungen wegen nicht jedesmal neu verschüttelter Arznei. Wäre auch nicht praktisch verwertbar. Sofern jedesmal, wenn Arzneien unter „Stöße“ geraten, sich darinnen etwas an Wirkstärke ändern würde, wäre es ja unmöglich, eine reproduzierbare oder vorhersehbare Arzneiwirkung zu haben. Schon wenn man die Wege vom Hersteller zur Patientenwohnung betrachte mit all den Transport bedingten Vibrationen und mechanischen Einwirkungen (Fahren über holprige Straße z.B.). Mit Verwunderung musste ich mal in einem „Fachbeitrag“ lesen, dass eine mit homöopatischen Arzneien Therapierende einer Patientin, die angeblich erhebliche Verschlimmerungen während der Therapie erlitt, erklärt haben solle, dass das daran läge, dass sie die Arzneien auf einer Wanderung in ihrem Rucksack getragen und dort Schüttelschlägen ausgesetzt habe. Und das sollte dem Leser beweisen, wie Homöopathika wirken.

Spielt hier der für die Homöopathie immer wieder angeführte Placeboeffekt auch bei Verordnern eine Rolle?


Kann die Stimmung dessen, der die Substanzen potenziert gar eine Rolle spielen für die Heilwirkung? Wenn er lustlos schüttelt haben dann die gleichen Arzneien einen andere Wirkung, als wenn er fröhlich dabei singt. Können die durch einen Lügner und Betrüger potenzierten Arzneien vielleicht den Patienten schädigen? Kann der Potenzierende selbst spüren, welche Wirkungen von der Arznei ausgehen können und ist das – unabhängig von den Arzneiprüfungen am Gesunden – ein vernünftiger Maßstab für die Verabreichung an Patienten?

Wenn die Person des Potenzierenden einen Rolle spielt, wenn dessen Empfindungen beim Potenzieren eine Aussage zur Wirkung machen kann, dann wären homöopathische Arzneien hoch gefährlich. Der Potenzierende könnte ja persönlich auf den Patienten einwirken, quasi bösen Fluch auf den übertragen, fast wie beim Voodoo. Solche Ideen lagen Hahnemann bei seiner Heilweise völlig fern. Er hätte sonst immer wieder ganz deutlich darauf hingewiesen. Auch seine Erklärungen zum Mesmerismus – eine ganz andere Heilweise -, in der der wohlmeinende Behandler eine Rolle spielt, sind nicht auf seine Lehre übertragbar. Auch damals galt der Mesmerismus bereits als eine Art hypnotisches, suggestives Verfahren, welches viel durch den Mesmerisierer bewirkte.


Wird fortgesetzt.

Copyright K.-U.Pagel