Freitag, 2. Januar 2015

Symptome - Grundlagen der Homöopathie



Was Symptome uns sagen wollen - Symptome sind Stellvertreter

Vorwort in Anhang

Was haben wir für eine (vorherrschende) Heilkunde? Die Heilkunde, die Symptome als die Krankheit sieht und diese Symptome kuriert. Und meint, damit die Krankheit, die zugrunde liegende Störung der inneren Regulation und der Anpassungsfähigkeit auf äußere Umstände (das ist Krankheit) heilen zu können. Und sie gibt der Krankheit oft den Namen eines Symptoms, welches sie als besonders vordergründig sieht. So den „erhöhten Blutdruck“ - Hypertonie. Oder des im Blut erhöht scheinenden und zu lange erhöht scheinbar zu bleibenden Zuckerspiegels - Diabetes mellitus. Nach der Folge, dass der vermehrte (Diabetes) Harn bei Zuckerausscheidung über diesen  Zucker  süß (mellis) schmeckt.

Da haben wird nach der Beschreibung der Symptome die „multiple Sklerose“ oder die Arteriosklerose.

Symptome, erkennbare Funktions“störungen“ und deren Folgen.

Hahnemann nannte so etwas in Kritik an der Medizin seiner Zeit: „Krankheiten des Namens“ und er bezichtigte seine ärztlichen Kollegen, durchaus abwertend gemeint, als Symptomenkurierer, die mit ihrem Ausleiten usw. nur an den Symptomen, die bei den Krankheiten sichtbar sind, herumdoktern.

Wie heute, wo es Zielvorgaben für Blutdruckwerte und Zuckerwerte gibt, in die hinein sich die Regulation des Organismus bitte wieder einfügen solle. Und es werden Mittel gegeben, die genau darauf wirken, wie ein Organismus seinen Blutdruck erhöht, um genau das zu verhindern. So wie man zu Hahnemanns Zeiten eben die Säfte, die zu viel waren, herausholte.

Reine Symptomenkuriererei. Es mag deswegen verblüffen, wenn Kritiker das genau der von Hahnemann durch Beobachten gefundenen Heilweise der Homöopathie vorwerfen. Verblüffen, eben weil es nicht wissenschaftlich logisch ist. Und es kann nicht wirklich heilen. Hahnemann verzweifelte daran, dass er als ausgebildeter Arzt solche Verfahren immer wieder scheinbar erfolgreich bei chronischen Krankheiten einsetzte. Dabei konnten akute Symptome (z.B. Schmerzen) gelindert werden. Aber auf Dauer betrachtet eben nur vorübergehend. Die Krankheit verschwand nicht. Vielleicht traten dann scheinbar neue auf. Vielleicht auch, weil die ursprüngliche „Grundstörung der Regulation“ sich zeigte, nun über andere Wege.

Und er, als wissenschaftlich denkender Mensch, erkannte: die Symptome einer Krankheit sind im Grunde genommen nur Zeichen eines Versuchs des Organismus, eine „schlimmere“ Störung der inneren Regulation, der physiologischen Lebensabläufe, durch Kompensationsvorgänge mit weniger gravierenden „Symptomen“ auszugleichen. Die Krankheitssymptome werden zum Stellvertreter (Vikar) der eigentlichen, schlimmeren Störung. Sie ermöglichen so, wenn auch unter Inkaufnahme möglicher Beeinträchtigungen das weitere Überleben. Das ist im Grund genommen eine sehr „systemische“ Sichtweise.

Hahnemann war nicht nur Arzt, er war (wie damals meist üblich) in  Chemie, Physik, Religion, Philosophie im Studium ausgebildet worden. Und er musste - es gab keine Krankenkassen - um als Arzt überleben zu können, auch nebenher anderes machen (so wie heute viele Heilpraktiker). Er nutzte seine Fremdsprachenkenntnisse, um wissenschaftliche Texte zu übersetzen. So war er, was die Fülle des Wissens betrifft, welches ihm so begegnete, weit mehr „angefüllt“, als viele Kollegen damals.

Er war, als er diese „Vikariationstheorie“ aus den Erfahrungen als praktizierender Arzt ableitete, kein esoterischer Phantast. Es ist verwunderlich, wie oft diese tiefgehende und umfängliche wissenschaftliche Bildung bei Ihm übersehen wird. Vielleicht wurde dieser umfangreiche Wissensschatz zu wenig beachtet und darüber zu wenig nachgedacht?

Ihm lag es sehr ferne, irgendwelche Mächte, Geister oder was auch immer hinter den inneren Regulationsprinzipien des Organismus zu sehen. Auch wenn er eine Lebenskraft als den Motor dieser inneren Regulation benannte - er kannte die Gene nicht als Programme, die die Abläufe fein abgestimmt steuern - so meint er nichts Spirituelles. Er kam aus der Newton'chen Physik und ihrer populär gewordenen Kräftelehre (etwas Körperliches, Materielles). Hinter allem, was man physikalisch beobachten kann, was sich verändert, steckt eine berechenbare Kraft. Diese selbst ist unsichtbar („geistartig“ nennt das Hahnemann im Sprachgebrauch seiner Zeit), aber real vorhanden.

Das übertrug er auf die Biologie des Organismus.Er nannte das „physiologische innere Selbsterhaltungs- und Anpassungsprinzip“ analog der Kraft in der Physik, die Kraft des Lebendigseins, Lebenskraft. Ohne ist der Organismus tot und zerfällt, ohne Organismus aber auch keine Lebenkraft. Logisch. Biologisch. Diese Lebenskraft sorgt für alle erkennbaren Zeichen des Lebens, Symptome. Symptome sind also alle beobachtbaren, feststellbaren Lebensäußerungen, sind Funktionen des Organismus („gesunde“ wie „kranke“). Symptome, in ihrer Gesamtheit, nie sind nur eines oder einige zu betrachten. Sie gehören zusammen, sind jedoch nicht die Lebenskraft selbst. Sie zeigen nur deren Wirkung. So sind dann Symptome nie die Krankheit, sondern das, was man als Zeichen der (Kompensation von) Fehlfunktionen beobachten kann.

Und er erkannte - im Grund nahm er die Erkenntnisse über Gene rein aus der Beobachtung des Lebens vorweg -, dass diese Lebenskraft (Dynamis=Potentia=Kraft), diese innere Dynamis, an irgend etwas „gebunden“ sein muss, was sich auch über Generationen vererbt. In dem  - woher auch immer erworben oder wodurch (Mutationen) entstanden (Miasmen) - die Tendenzen zu „besonderen Ablaufstörungen“ gespeichert sein können. Auch bei den Nachkommen dazu Anlass geben können, dass die innere Selbsterhaltung und Anpassungsfähigkeit an äußere Bedingungen unter entsprechenden Umständen „versagen“ kann. Und es zu Vikariationen durch Kompensationssymptome kommen muss, sofern das geht, um das Leben insgesamt (wenn auch beeinträchtigt) so lange wie möglich zu erhalten.

Man kann sagen: Eine Komponente der Lebenskraft ist der „Selbsterhaltungstrieb“. Wir kennen das auch aus den aktuellen Diskussion um die Sterbehilfe: Egal, wie es dem Betroffenen geht, immer soll nach Möglichkeiten gesucht werden, trotz aussichtslos erscheinender Beschwerden diese ertragbar zu machen. Statt den frei gewählten Tod zu schnell zu ermöglichen.

Zu anderen Begriffen: Hahnemann kennt bei chronischen Krankheiten (akute beschreibt er in anderer Weise, dazu später) keine Selbstheilungskräfte. Mit diesen, würde eben die Selbstregulation jede „Störung“ beseitigen. Gäbe es also keine chronischen Krankheiten. Er erkennt nur die gestörten Selbsterhaltungskräfte als Krankheitsursache und den Selbsterhaltungstrieb, der Vikariationen zum Überleben einsetzen kann. Vikariation ist aber nicht das Beheben der Störung, nur eine mehr oder minder gelungene Kompensation. Keine Selbstheilung!

Seine Heilkunde zielte darauf ab, möglichst viele der Zeichen (Symptome) der gestörten Regulation zu erfassen (Störungen der Lebenskraftwirkung). Und er wusste, dass diese von den individuellen Bedingungen des „Kranken“ abhängen. Da musste etwas gefunden werden, was beim gesunden Menschen (denn der ist es, der krank wurde!) die Lebenskraft in ähnlicher Weise „verändert“, ähnliche Symptome macht. Denn das scheint in der gleichen Weise die Lebenskraft zu „verstimmen“ (wie er das nannte), wie es die „krankmachende Kraft, das Fehlprogramm, tut, welches eben (Kräfte wirken auf Kräfte) die Lebenskraft störte. Grund für seine Arzneiprüfungen.

Wenn man dieses Gefundene dann dem Kranken gibt - in feinster Dosierung, denn das gestörte System ist entsprechend empfindlich! - so wird das wahrscheinlich genau dort angreifen, wo die Störung „sitzt“. Und kann ein Korrekturreiz sein.

Er behandelte also nicht die Symptome (als Kompensationsmechanismus der schlimmeren Störung!), sondern er versuchte das gestörte „Programm“ selbst  (soweit möglich) zu korrigieren. Ein Programm anzuschalten oder ein ausgeschaltetes wieder zu aktivieren. Je nachdem, was am Gesunden die beobachteten „Ablaufveränderungen“ bewirkte.

Genanalysen, die Diagnostik von irgendwie „schwachen“ Genen und gestörtem Wechselspiel dieser, waren ihm völlig unbekannt. Heute wird mit diesem Forschungsfeld in objektivierbarer Weise das versucht, was er über die „Fallaufnahme“ der Symptome ansatzweise anstrebte. Und man hat erkannt, dass es eben ein System von Zusammenspiel der Gene ist, was die „Anpassungsstörung“ der inneren Regulation (Lebenskraft) macht.

Eine („systemische“) Heilkundeidee Hahnemanns, die streng auf den individuellen kranken Menschen, nicht die Krankheit, gerichtet war und ist. Zumindest so, wie sie „klassisch“ zum Einsatz kommt/kommen sollte.

Und seine Vision war: Je mehr Stoffe, egal welchen Ursprungs“ darauf hin am Gesunden geprüft wurden, welche besonderen Symptome sich zeigen (am gesunden vorübergehende Verstimmungen der Lebenskraft) und um so genauer die Summe (der „Inbegriff“) der Symptome erfasst werden können, um so sicherer (mit mathematischer Genauigkeit) lässt sich das individuell passende Mittel finden.

Die Vision ist Utopie geblieben. Allein schon weil auch die Gesunden individuelle Reaktionsbesonderheiten zeigen. Jeder Kranke und Heilkundige sehr subjektiv erlebt und beobachtet und das auch noch sehr subjektiv, teilweise mit Worten beschreibt, die ganz anderes meinen. Daran scheitert auch der utopische § 153 des Organon, der auf das Erkennen der ganz besonderen, eigentümlichen Symptome als sicheres Mittel zum Finden der richtigen Arznei setzt.

Dennoch kommt man mit einer (wenn auch zeitaufwendigen) individuellen „Fallaufnahme“ bei den bereits bekannten „Mittelwirkbildern“ einer Heilung näher, wenn man nicht das Symptom, sondern die Grundstörung „behandeln“ will, die der jeweilige kranke Mensch haben könnte.

Mit einer Behandlung, die nur die Symptomenentstehung verhindern soll („unterdrücken“), erreicht man nie die Ursache. Beispiel: Verhindert man mit einer Arznei, die die Blutgefäße erweitert, den Anstieg des Blutdruckes, hat man aber den Grund, warum der Organismus den erhöhten Blutdruck braucht, nicht beseitigt. Er, der Organismus,  kann nur nicht mehr damit kompensieren.

Der Organismus ist gezwungen, andere Vikariationswege zu suchen. Im Regelfall zeigt sich diese Verschiebung nur langsam und schleichend. Sie wird dadurch meist gar nicht als solche erkannt.



Wird fortgesetzt.

Anhang:

Vorwort

Es geht hier um die Darstellung miteinander verwobener, nicht trennbarer Vorgänge. Um ein inneres System von Zusammenhängen, Zusammenhänge in einem inneren System. Da wäre es unlogisch, einen Schreibstil zu wählen, der zwar leichter lesbar wäre, aber in sich geschlossene Zusammenhänge in kurze Einzelsätze/Einzelfakten zerlegt. Genau das was ausgedrückt werden soll, das untrennbar mit einander Verbundene sehen zu lernen, würde dann wieder in genau die andere Aussage verwandelt, sich jeden einzelnen Punkt kurz und knapp zu betrachten. Daran scheiterte es immer wieder, die Schriften Hahnemanns, vor allem sein Grundsatzwerk, das Organon der Heilkunst, aus der Verschachtelung in die knappe Einzelfaktensprache einer Nachrichtensendung umzusetzen.

Form und Inhalt sollten deckungsgleich sein. So schwierig wie für manchen das Folgen dieses Schreibstils erscheinen mag (es wird heute nicht mehr gelehrt), genau so schwierig ist es, diese Zusammenhänge körperlicher und psychischer Vorgänge (auch untrennbar) in der Praxis zu erfassen und umzusetzen. Das ist häufig der Grund, sich auf Einzelfakten zurückzuziehen, was letztlich dem Ganzen nicht mehr gerecht werden kann.

Der Schreibstil entspricht der Aussage. Wer sich darauf einlässt, kann vielleicht so besser den untrennbaren Zusammenhang (allen mit jedem in Organismus und Psyche) spüren.



Copyright K.-U.Pagel 01.2015

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