Sonntag, 22. Februar 2015

Homöopathie nach Hahnemann, Arzneiprüfung, Arzneiwahl

Homöopathische Arznei: Einsatz gemäß Prüfbild



Hahnemanns Logik ist klar: Wenn Krankheiten, ihre Symptome, Ausdruck einer gestörten Selbstregulation sind (verstimmte Lebenskraft, wie er es nennt), so muss eine Therapie an diesem Regelbereich ansetzen. Nichts ersetzen oder wegnehmen, nicht irgendwelchem Sinn und Zweck „geistiger Sphären“ genügen, sondern einfach Impulse zur Korrektur der Störung setzen.

Da macht es keinen Sinn, der Arznei irgend etwas anzudichten oder über diese zu phantasieren. Über die Medizin seiner Zeit machte er sich in einem kleinen Zeitschriftenbeitrag in etwa so lustig: „Die Ärzte sagen der Arznei, was sie machen soll, doch sie wissen nicht, was diese wirklich tut.“

Das klingt für uns heute fast unglaublich: Es war nie wirklich erforscht, geprüft worden, was einen Arznei tatsächlich bewirkt. Auch die Wirkungen und Folgen einer Therapie anderer Art wurden nie systematisch erforscht. Hart gesagt: Man machte einfach. Wenn es so wirkt, wie man sich denkt, dann ist es gut. Ging die Therapie schief, war die Idee dennoch richtig, die Therapie war wirksam, aber kam einfach zu spät.

Das erinnert mich, obwohl wir heute eigentlich anderes erwarten, immer noch an manche moderne Therapie und Arznei, die nicht wirklich vorab erforscht wurden. Allein die Hormonersatztherapie, um ein Beispiel zu nennen, die seit den 50er Jahren bei klimakterischen Frauen eingesetzt wurde, war bis vor wenigen Jahren nur auf reine Vermutungen gestellt. Und was wurde nicht alles versprochen. Dann wurde eine Arzneistudie, die erst rund 50 Jahre nach Therapieeinführung gemacht wurde, abgebrochen, weil sich eine erhöhte Brustkrebsrate zeigte, die es unverantwortlich erscheinen lies, die Studie fortzuführen. Und manche Heilsversprechen zeigten sich bis dahin als hohl.

Im § 108 des Organon hebt Hahnemann sich hervor mit der Idee, der Wirkprüfungen für Arzneien:

Nicht ein einziger Arzt, meines Wissens, kam in einer drittehalbtausendjährigen Vorzeit auf diese so natürliche, so unumgänglich nothwendige, einzig ächte Prüfung der Arzneien in ihren reinen, eigenthümlichen, das Befinden der Menschen umstimmenden Wirkungen, um so zu erfahren, welche Krankheitszustände jede Arznei zu heilen vermöge, als der große, unsterbliche Albrecht von Haller. Bloß dieser, obgleich nicht praktischer Arzt, sah vor mir, die Nothwendigkeit hievon ein … Aber Niemand, kein einziger Arzt achtete oder befolgte diese seine unschätzbaren Winke.

Hahnemann verlangte, dass die Arzneien, die die Homöopathie verwendet, darauf hin geprüft sein sollten, welche Wirkungen sie bei gesunden Personen zeigen. Denn: der Gesunde wurde durch die „Verstimmung der Lebenskraft“ krank. Und der Kranke ist ja dann bereits gestört. Was will man dann noch an Wirkungen auf Regelkreise feststellen?

Seine Logik zeigt sich im § 19 des Organon:

Indem nun die Krankheiten nichts als Befindensveränderungen des Gesunden sind, die sich durch Krankheits-Zeichen ausdrücken, und die Heilung ebenfalls nur durch Befindensveränderung des Kranken in den gesunden Zustand möglich ist, so sieht man leicht, daß die Arzneien auf keine Weise Krankheiten würden heilen können, wenn sie nicht die Kraft besäßen, das auf Gefühlen und Thätigkeiten beruhende Menschenbefinden umzustimmen, ja, daß einzig auf dieser ihrer Kraft, Menschenbefinden umzuändern, ihre Heilkraft beruhen müsse.

Wenn ein Kranker bestimmte Symptome als Ausdruck der Störung der Selbstregulation zeigt, dann hat der gestörte Regulationsbereich eben mit den veränderten Abläufen zu tun. Und die Arznei muss nicht nur in diesen Regelkreis passen, sie muss diesen auch in gleicher Weise stören können.


Dazu ist es eben nötig, die Arznei - natürlich in ungiftiger Menge! - durch einen freiwilligen Gesunden einnehmen zu lassen. Und genau zu beobachten, was sich alles verändert und das auch über einige Zeit. Mit ähnlicher Genauigkeit, mit der der Krankheitsfall aufgenommen werden muss.


Weitere Erkenntnisquelle für Wirkungen möglicher Arzneien sind die Aufzeichnungen über Vergiftungsfälle mit den als Arzneien einzusetzenden Substanzen. Hier hatte Hahnemann reichliches Material in den pharmakologischen Büchern, die er in seinem Nebenberuf (Ärzte waren früher nicht reich, keine Krankenkassen) übersetzte.

Ganz entscheidende Voraussetzung für einigermaßen verlässliche Prüfungen war (und ist), dass die Arzneien immer auf gleiche Weise hergestellt werden, mit Rohstoffen glcicher Qualität und Herkunft. Unter festgelegten Bedingungen gewonnen, gelagert verarbeitet. Zu seinen Zeiten war das überhaupt nicht selbstverständlich. Damit er in seinem Tätigkeitsbereichen auf die Arzneiqualität bauen konnte, hatte er sich von den jeweiligen Landesfürsten seiner verschiedenen Tätigkeitsregionen das Recht geben lassen, die Arzneien selbst herzustellen und abzugeben. Sonst den Apothekern vorbehalten.

Davon kann man heute noch lernen: Gerade in der Phytotherapie findet man immer wieder, dass eine bestimmte Pflanze betreffend ihren Wirkungen geprüft wurde, aber „windige“ Geschäftemacher diese Wirkungen einfach auf die von Ihnen hergestellte Arznei übertragen. Das ist insofern regelwidrig, weil es auch hier darauf ankommt, wie etwas hergestellt wurde und in welcher Dosierung der Einsatz bei der Studie erfolgte. Und nicht selten findet man „Trittbrettfahrer“, die ihre Arznei anders herstellten, vielleicht mit anderen Pflanzenteilen und in einer völlig anderen Dosierung diese anbieten. Gern wird das auch im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel so gemacht. Da wird einfach eine Erkenntnis über die Wirkung eines bestimmten Vitamins z.B., welche sich aus standardisierten Studien mit im Regelfall weit höheren als natürlichen Dosen ergaben, auf Lebensmittel übertragen. Nahrungsergänzungsmittel gehören zu den Lebensmitteln. Wenn man dann umrechnet, ergibt sich, manchmal sogar, dass hier nur ein hundertstel der Studiendosis eingenommen werden soll/darf.

Um den Standard der homöopathischen Arzneien zu sichern ist das homöopathische Arzneibuch geschrieben worden. Es enthält die Vorschriften zur Zubereitung, Lagerung usw. der Arzneien.

Natürlich muss eine Arznei, die geprüft werden soll, genau so beschaffen sein, wie die Arznei, die dann therapeutisch zum Einsatz kommen soll.

Es finden sich hier Unterschiede: So benutzt die Homöopathie z.B. einen alkoholische Auszug aus einer Pflanze, mit entsprechend nur bestimmten Inhaltsstoffen und stellt die Arznei immer wieder so und nicht anders her. Die Spagyrik jedoch benutzt die ganze Pflanze: Auspressen, Auszüge machen aus dem Trester, Reste einäschern und die Mineralien noch der Mischung aus den vorhergegangenen Zubreitungsschritten zufügen. Daraus ergibt sich, dass es fraglich ist, ob die spagyrischen Arzneien (hinter denen keine Arzneiprüfungen sondern Theorien stehen) tatsächlich gemäß den Prüfbildern eingesetzt werden können. Oder die Philosophie der Antroposophen, die Arzneien gemäß der „Weltsicht“ von R. Steiner, nicht gemäß den Prüfbildern zum Einsatz bringen.

Hahnemann verlangt die Prüfung und klare reproduzierbare Arzneizubereitungen.

In seinem § 3 des Organons hat er postuliert:

Sieht der Arzt deutlich ein, was an Krankheiten, das ist, was an jedem einzelnen Krankheitsfalle insbesondere zu heilen ist (Krankheits-Erkenntniß, Indication), sieht er deutlich ein, was an den Arzneien, das ist, an jeder Arznei insbesondere, das Heilende ist (Kenntniß der Arzneikräfte), und weiß er nach deutlichen Gründen das Heilende der Arzneien dem was er an dem Kranken unbezweifelt Krankhaftes erkannt hat, so anzupassen, daß Genesung erfolgen muß, anzupassen sowohl in Hinsicht der Angemessenheit der für den Fall nach ihrer Wirkungsart geeignetsten Arznei (Wahl des Heilmittels, Indicat), als auch in Hinsicht der genau erforderlichen Zubereitung und Menge derselben (rechte Gabe) und der gehörigen Wiederholungszeit der Gabe: - kennt er endlich die Hindernisse der Genesung in jedem Falle und weiß sie hinwegzuräumen, damit die Herstellung von Dauer sei: so versteht er zweckmäßig und gründlich zu handeln und ist ein ächter Heilkünstler.

Man muss wissen was man tut und Voraussetzung ist eben, dass man weiß, was die Therapie macht.

Also am Gesunden testen, was eine Arznei macht. So stellt er im § 106 fest:

Die ganze, Krankheit erregende Wirksamkeit der einzelnen Arzneien muß bekannt sein, das ist, alle die krankhaften Symptome und Befindens-Veränderungen, die jede derselben in gesunden Menschen besonders zu erzeugen fähig ist, müssen erst beobachtet worden sein, ehe man hoffen kann, für die meisten natürlichen Krankheiten treffend homöopathische Heilmittel unter ihnen finden und auswählen zu können.


Grundstoff der Arzneien kann alles sein, was es so gibt, von Steinen über Pflanzen bis zu tierischen Produkten. In der „moderneren“ Homöopathie kamen auch Zubereitungen aus Organen und von Krankheitsprodukten (auch vom Menschen) (Nosoden genannt) zum Einsatz. Doch bittte immer nach Wirkbild/Prüfbild.

Auch heute werden immer wieder bekannte Arzneien neu geprüft und neue Stoffe Prüfungen unterzogen. Die Fülle der möglichen Arzneien ist von daher nahezu unbegrenzt.

Hahnemann hatte geschwärmt, dass man, wenn man nur genügend Arzneien geprüft hat, mit mathematischer Genauigkeit für den jeweiligen Krankheitsfall die richtige finden könne.

Die Idee der Therapie mit solchen Arzneien, die beim Gesunden ähnliche Symptome (jedoch nicht in schädlichem Ausmaß und bald wieder abklingend) wie sie der Kranke zeigt, ist: Ein Regelkreis ist dazu da, immer wieder das jeweils „gesunde“ Maß wieder herzustellen, sich an Reize von Außen anzupassen und diese auszugleichen. Beim Kranken gelingt das nicht, seine Regelkreis „bleibt irgendwie hängen.“

Der Gesunde reagiert mit einer Gegenwirkung auf den Arzneireiz, der sich in der Prüfung zeigt, und kommt zur „Ausgangslage“ zurück. Das versucht Hahnemann mit der (milden) Gabe dieser Arznei am Kranken zu bewirken. Ein Postulat: Es war ja nicht diese Arznei, die die Krankheit ausgelöst hat. Darauf kann der Organismus dann nicht reagieren, sonst wäre ja das Regelsystem nicht hängen geblieben. Sie ist dieser Krankheitssymptomatik ähnlich (homöo), aber weil künstlich, doch fremd. Wenn nun der Regelkreis diese „fremde“ Arznei erkennt und dagegen reagiert, dann ist das möglich und kann zum „Wiederanspringen“ des gestörten Systems führen. In der Gegenwirkung gegen diesen „Störreiz“.


Arzneiprüfungen sind damals wie heute voller Tücken. Der Probant muss möglichst gesund sein. Dennoch hat er individuelle Besonderheiten, auch vielleicht nicht erkannte (weil bisher nicht entsprechend benötigte) Störungen in der inneren Regulation, der Lebenskraft. Er hat seine Besonderheiten durch Alter, Geschlecht, Lebens und Ernährungsweise, durch seine (genetische) Herkunft, sogar aufgrund früherer Vorerkrankungen. Auch die persönliche Zuverlässigkeit spielt einen große Rolle. Das beginnt bereits damit, dass er nicht Vergütungen erwerben will und deswegen sich vielleicht dem „Studienziel“ angepasst verhält. Vielleicht weil er so wieder einen „Job“ bekommen möchte.

Zu Hahnemanns Zeiten bestand die Gefahr darin, dass sich jemand durch besonders reichhaltiges Symptomenerzählen hervorheben wollte. Er warnte in einer Fußnote zum § 143:

Man hat in neuern Zeilen entfernten, unbekannten Personen, die sich dafür bezahlen ließen, aufgetragen, Arzneien zu probiren, und diese Verzeichnisse drucken lassen. Aber auf diese Weise scheint das allerwichtigste, die einzig wahre Heilkunst zu gründen bestimmte, und die größte moralische Gewißheit und Zuverlässigkeit erheischende Geschäft in seinen Ergebnissen, leider, zweideutig und unsicher zu werden und allen Werth zu verlieren. Die, davon zu erwartenden, falschen Angaben, vom homöopathischen Arzte dereinst für wahr angenommen, müssen in ihrer Anwendung dem Kranken zum größten Nachtheile gereichen.

Der modernen Pharmaprüfung können eine Reihe von Fehlern unterlaufen. So kann bei Studien im fernen Ausland der Zustand dort als gesund/normal angesehener Probanden sich von dem der späteren Patienten in anderen Lebens-und Kulturkreisen erheblich unterscheiden. Es ist nicht gesichert, dass kostengünstige Studien in Indien mit indischen Probanden gemacht (zum Teil auch mit Personen, die für jede Zuwendung dankbar sind) tatsächlich für das eigentliche Vermarktungsgebiet Europa und Nordamerika übertragbare Ergebnisse liefern können. Z.B. sind Prüfungen von Impfstoffen an afrikanischen oder asiatischen (meist aus der ärmeren Bevölkerung kommenden) Säuglingen und Kleinkindern immer mit der Frage behaftet, ob nicht Grunderkrankungen, schlechte Hygiene u.a. die Ergebnisse beeinflussen. Vor allem, ob Reaktionen, die auch unerwünschte Impfstofffolgen sein können, anderen Gründen zugemessen werden und nicht in den Ergebnissen auftauchen.

Hahnemann waren solche Probleme bekannt. Er wusste, dass eine Arznei bei verschiedenen Probanden längst nicht alle und die gleichen Symptome machen muss. Insbesondere, wenn man um Schäden zu vermeiden, mit ganz geringen Stoffmengen prüfen muss. Er wusste um die Einflüsse von Geschlecht usw. und forderte eben, auch die gefundenen Wirkungen entsprechend zuzuordnen. Und er wusste um die Einflüsse, die von „Außen“ die Symptome verändern können. So z.B. in den § 124 und 125.

Jeden Arzneistoff muß man zu dieser Absicht ganz allein, ganz rein anwenden, ohne irgend eine fremdartige Substanz zuzumischen, oder sonst etwas fremdartig Arzneiliches an demselben Tage zu sich zu nehmen, und eben so wenig die folgenden Tage, so lange als man die Wirkungen der Arznei beobachten will.
...
Während dieser Versuchszeit, muß auch die Diät recht mäßig eingerichtet werden, möglichst ohne Gewürze, von bloß nährender, einfacher Art, so daß die grünen Zugemüße und Wurzeln …und alle Salate und Suppenkräuter (welche sämmtlich immer einige störende Arzneikraft, auch bei aller Zubereitung behalten) vermieden werden. Die Getränke sollen die alltäglichen sein, so wenig als möglich reizend.
Ich hoffe, dass bei allen heute in der Homöopathie (auch in Indien und Südamerika) gemachten Arzneiprüfungen die schon regionalen Besonderheiten berücksichtigt und hervorgehoben werden.

In der heutigen Pharmaforschung wäre dem § 124 entgegen auch zu prüfen, wie die neue Arznei bei Patienten wirkt, die üblicherweise wegen der Erkrankung bereits andere Arzneien nehmen müssen und die neue dazu bekommen sollten. Z.B. wie sich neue Blutdrucksenker mit gegebenen „Wassertabletten“ und Cholesterinsenkern vertragen. Ob das immer so vorab gemacht wird oder ob sich Probleme dann erst später im Gebrauch zeigen? Diese Frage steht im Raum.

Bei der homöopathischen Arzneiprüfung besteht ein Vorteil: Man will ja wissen, was alles von der zu prüfenden Substanz ausgelöst werden kann. Man ist ergebnisoffen! Egal, ob es viele oder wenige Symptome sind, es hängt keine Vermarktung davon ab. Die moderne Pharmaforschung hat immer ein Ergebnis im Auge, einen bestimmten „Wirkerfolg“. Ausbleiben oder gar Schädigungen würden die Vorinvestitionen gefährden und Vermarktung verhindern.

Vielleicht ist das ein Grund, warum der Homöopathie und den zu ihr gehörenden Grundregeln wie der Arzneiprüfung so negativ gegenüber gestanden wird? Warum man sie in „Bausch und Bogen“ verdammt?

Problem (beider Lager) ist die ungeheure Subjektivität, auch wenn sich die Pharmaforschung gerne auf gemessene Werte stützt. Die übrigens auch bei Plazebos auftreten können. In der Homöopathie ist man auf die Selbstbeobachtungsfähigkeit des Probanden angewiesen, der mit eigenen Worten schildert. Und dessen Worte vom Versuchsleiter gehört und aufgeschrieben werden – interpretierbar durch den Versuchsleiter. Hier ist die gleiche „Unbefangenheit“ zu postulieren, wie bei der Fallaufnahme am Kranken beschrieben.


Die möglichst vielen, auch verschiedenen, Ergebnisse der Prüfungen einer Arznei sind in einem Verzeichnis (Arzneimittellehre, Repetitorium) aufzulisten. Der Übersicht wegen nach einzelnen Bereichen (z.B. Kopfsymptome, Besserung durch …) sortiert. Dazu der § 144

Von einer solchen Arzneimittellehre sei alles Vermuthete, bloß Behauptete, oder gar Erdichtete gänzlich ausgeschlossen; es sei alles reine Sprache der sorgfältig und redlich befragten Natur.

Doch wirklich fehlerfrei kann diese Arzneimittellehre letztlich genau so wenig sein wie moderne pharmakologische Studienergebnisse! Das muss man hinnehmen. Die heilkundliche Erfahrung lehrt auch den richtigen Gebrauch. Arzneimittellehren sind kein Handwerkszeug für Laien!

Hahnemann hat selbst solche Verzeichnisse, eine Arzneimittellehre geschrieben. Sein 5-bändiges Werk „Die chronischen Krankheiten“ widmet die Bände 2 – 4 nur der Auflistung solcher Prüfungssymptome zu verschiedenen Arzneien. Dabei sind Mittel mit relativ wenigen Symptomen und Mittel mit mehreren Tausenden davon.

Das Gegenstück zu dieser Arzneimittellehre, welche die Prüfbilder auflistet ist das Symptomenverzeichnis (Repertorium). Der Amerikaner Kent hat in den ersten 2 Jahrzehnten des 20-ten Jahrhunderts mit vielen Helfern und in mehreren Arbeitsjahren ein Standardwerk dazu erarbeitet. Hier wurden aus allen verfügbaren Prüfungen jeweils einzelne Symptome herausgefiltert und dazu dann gelistet, bei welchen Arzneien denn dieses Symptom überhaupt vorgekommen ist. Man kann so aus den einzelnen am Patienten erhobenen Symptomen auf die möglichen Mittel kommen, diese zu allen Symptomen auflisten und aus den nun übersichtlich gewordenen Arzneien die am besten passende auswählen.

Bei der Arbeit Kents fiel bald auf (was ja auch zu erwarten war), dass manche Symptome einer Arznei sich bei vielen Probanden zeigten und manches Symptom nur bei einigen wenigen oder gar nur ein mal. So ergaben sich Mittel, die eher bei Dicken, bei Männern oder Kindern (nur einiges herausgenommen) wirkten. Was dann auch noch einmal hervorgehoben wurde. Bei Kent war die Folge, dass er die Mittel bei den einzelnen Symptomen unterschiedlicher Wertigkeit (bei ihm 3) zuordnete.

Der Umgang mit dem Repertorium muss gelernt werden. Das ist wieder keine Laiensache, wie z.B. das Umsetzen eines Kochreteptes.


In meinen vielen Kursen zur Arzneifindung haben meine Kursteilnehmer neben dem Repertorium nach Kent auch andere Werke benutzt, vom „Boericke“ bis zu der Kentneubearbeitung von von Boeninghausen, vom Stauffer bis zum neuen Buch des wiener Homöopathieprofessors Dorcsi. Wir haben gemeinsam einen Fall aufgenommen und dann getrennt (bis zum nächsten Kurstag) ausgewertet, eben mit unterschiedlichen Mitteln. Die Kursteilnehmer waren in den jeweiligen Gebrauch eingewiesen worden. Und es ergaben sich bei der Auswertung (zunächst rein statistsich) hohe Deckungen unter den 5 führenden Mitteln. Ergebnisse sind weder Zufall noch Buch abhängig. Eben nur abhängig davon, ob Regeln eingehalten werden oder nicht. Das setzt das Verstehen der Regeln voraus. Da zuvor in meinen Kursen diese Regeln gelernt wurden, waren die Voraussetzungen entsprechend gleich. In einer Diskussion, in der die Kursteilnehmer ihre favorisierte Arznei nannten und anhand der Fallaufnahme diese Wahl begründen mussten, wurde ein Mittel ausgewählt, welches dann zum praktische Einsatz kam. Das Ergebnis wurde verfolgt und war überwiegend zufriedenstellend.

Diese gemeinsame Diskussion brachte hervor, was z.B. bei der Fallaufnahme falsch verstanden wurde, was falsch ausgelegt wurde, wo der Kursteilnehmer eigene Ideen untermischte (oder Erfahrungen seiner Tante bei der scheinbar gleichen Symptomatik). Wo eben alles Vermuthete, bloß Behauptete, oder gar Erdichtete nicht gänzlich ausgeschlossen worden war. Ein solcher Unterricht schult. Homöopathie ist eben nicht wirklich Laienmedizin.



Wird fortgesetzt mit dem Thema Arzneibereitung/Potenzen - es werden mehrere Teile

Copyright K.-U.Pagel 02.2015


Nachtrag: In der Bundesrepublik fallen homöopathische Arzneien unter das Arzneimittelgesetz. § 1 definiert: 1) Arzneimittel sind Stoffe oder Zubereitungen aus Stoffen, 1.die zur Anwendung im oder am menschlichen oder tierischen Körper bestimmt sind und als Mittel mit Eigenschaften zur Heilung oder Linderung oder zur Verhütung menschlicher oder tierischer Krankheiten oder krankhafter Beschwerden bestimmt sind



Während „chemische" Arzneimittel eine Zulassung brauchen, die einen Wirksamkeitsnachweis verlangt und festlegt, dass die Risiken im Vergleich zum Nutzen hinnehmbar sind, brauchen homöopathische Arzneien nur eine Registrierung nach § 38: (1) Fertigarzneimittel, die Arzneimittel im Sinne des § 2 Abs. 1 oder Abs. 2 Nr. 1 sind, dürfen als homöopathische Arzneimittel im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur in den Verkehr gebracht werden, wenn sie in ein bei der zuständigen Bundesoberbehörde zu führendes Register für homöopathische Arzneimittel eingetragen sind (Registrierung). Einer Zulassung bedarf es nicht; § 21 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 3 findet entsprechende Anwendung....

Da keine Wirkungen nachgewiesen sind, darf auch nicht mit einer konkreten Krankheitsindikation gewoben werden. Es ist der Hinweis zu finden:„Registriertes homöopathisches Arzneimittel, daher ohne Angabe einer therapeutischen Indikation“. Auch wird der Hinweis gegeben, dass die Anwendung nach den Regeln der Homöopathie/nach dem homöopatischen Arzneibild erfolgt.



Bach-Blüten-Essenzen sind keine homöopathischen Arzneien und werden nach ganz anderen Kriterien eingesetzt sowie ganz anders hergestellt.






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