Mittwoch, 4. März 2015

Arzneizubereitung nach Hahnemann – Potenzieren – Teil 2

Homöopathie nach Hahnemann – Organismus ist kein Reagenzglas

Im ersten Teil habe ich auf die Wissenschaftlichen Erkenntnisse der Chemie vor und zu Zeiten Hahnemanns hingewiesen. Keine hundert Jahre vor seiner Geburt war erkannt worden, dass es eine besondere Art der Chemie gibt: die Organische.

Die hierin im Zentrum stehenden chemischen Verbindungen sind Varianten des Kohlenstoffs (Organische Chemie = Chemie des Kohlenstoffs), Kohlenstoffatome (beliebiger Zahl) als das Gerüst der Moleküle. Die Besonderheit ist, dass die Verbindungen der organischen Chemie nicht in der unbelebten Natur entstehen können. So wie z.B. Kochsalz. Sie werden von lebenden Organismen hergestellt in Reaktionsabläufen, die mittels Hilfsstoffen (Enzymen) in geregelten, oft miteinander verbundenen Schritten, von „Lebensprogrammen“ in vorgegebener Weise stattfinden. Viele Stoffe die dabei entstehen würden so in der unbelebten Natur nicht entstehen können. Die Reaktionspartner würden nicht und nicht in der gewünschten Weise miteinander reagieren können. Organische Verbindungen setzen Leben/Lebewesen mit seinen/ihren geregelten Abläufen voraus.

Vielleicht war daraus die Idee von Hahnmann entstanden, eine „physiologische innere Selbsterhaltungs- und Anpassungsprinzip“ analog der Kraft in der Physik, die Kraft des Lebendigseins, Lebenskraft zu postulieren, als Grund für die Entstehung von Symptomen. Ohne die der Organismus tot ist und zerfällt?


Während man in der anorganischen Chemie (der, der unbelebten Natur) in ein Reagenzglas die Reaktionspartner einfüllen kann und dann die Ergebnisse (manchmal mit Hilfe von Katalysatoren) entstehen, braucht es in den Zellen der Lebewesen eine ganze Reihe von aufeinander abgestimmten Prozessen, mit Enzymen, die ebenfalls immer wieder neu in solchen Prozessen entstehen müssen, um Stoffe umzuwandeln =Stoffwechsel.

Zu Hahnemanns Lebzeiten war es gelungen, eine Reihe von organischen Verbindungen zu analysieren, darunter auch ein Endprodukt des Aminosäureabbaus (ein Stoffwechselablauf), den Harnstoff. Um 1830 herum gelang es - obwohl man nur Lebewesen als dessen Produzenten ansah - diesen Harnstoff synthetisch (künstlich) außerhalb von Lebewesen herzustellen.

Der Organismus war ein Ort von vielfältigen, aktiven, von Plänen gesteuerten chemischen Prozessen, bei denen Stoffe ineinander umgewandelt werden und viele Lebensfunktionen erst ermöglichen. Ein Gefüge, in dem eines in das andere greift, es darauf ankommt, dass zur rechten Zeit am rechten Ort Baustoffe, Werkzeuge (Enzyme) und weitere Hilfsstoffe (z.B. Vitamine) zusammenkommen müssen. Die aus weiteren Gefügen, die ebenfalls örtlich und zeitlich daran gekoppelt sein müssen, die notwendige Energie (wieder in Form von chemischen Stoffen, z.B. ATP) erhalten damit die gewünschten Stoffwechselschritte ablaufen können. Auch die Zufuhr der Baustoffe (Reaktionspartnern) zu den jeweiligen Orten, an denen die chemischen Prozesse ablaufen, unterliegt wieder solchen Gefügen.

Was, wann, wie, in welchen Mengen wo sein muss, damit das Leben aus dem einen Stoff einen anderen machen kann, unterliegt (in chemischen „Buchstaben“) geschriebenen „Kochrezepten“ (Gene). Die aber wieder über geregelte Abläufe immer wieder neu geschrieben und kopiert werden.

Wenn in einem der vielen Schritte „Störungen“ auftreten, so kann das das ganze Gefüge durcheinander bringen. Es gibt für manches „Notprogramme“, um auf Umwegen zum Ergebnis zu kommen. Wenn dann in den verschiedenen zusammenwirkenden Schritten an mehreren Stellen Fehler auftreten, sind manchmal auch mehrere Notprogramme nicht ausreichend, um doch noch ein zumindest annehmbares Ersatzergebnis zu erreichen.

In den Lebensfunktionen, auch in den immer wieder neu reparierten und regenerierten Bauteilen der Zellen, werden dann fehlerhafte Teile verbaut, oder es entstehen immer größere Defekte. Lebensstrukturen verschleißen sich beim „Gebrauch“, chemische Reaktionshilfen verbrauchen sich, Baustoffe müssen immer wieder neu her, Reaktionsenergie muss immer wieder neu dazu. Das Leben nutzt sich ab, wenn es lebt. Altert, beginnt neu geboren von vorne, stirbt.

Der Organismus ist kein Reagenzglas, in das man einfach so einen Stoff hinein geben kann und eine ganz bestimmte und nur diese Reaktion erzeugen kann! Egal, was man hinein gibt, irgendwo kann es Abläufe stören - eine Funktion hemmen, dafür andere Reaktionen vermehrt benötigen - mit anderen Hilfsstoffen in anderen Mengen.

Eine Wirkung, die z.B. durch entsprechende Dosis des Einzelstoffes ASS (Aspirin ®) an einer Stelle der Entzündungskasskade (viele Abläufe, die zur ersten Schadensminderung und zur Reparatur von Zellschäden nötig sind) ausgelöst ist, hat an vielen weiteren Stellen und auch an Zellen, die gar nicht gemeint sind, eine Reihen von Folgen. Das erklärt die vielen Nebenwirkungen (genauer unerwünschten Wirkungen) die die „modernen“ chemischen Arzneien haben.

Es war ein Kritikpunkt an der Medizin auch zur Zeit Hahnemanns, die dieser immer wieder formulierte, dass solche Art von Medizinen, die einzelnen Symptome gezielt verändern sollen, im Grunde eher schädigen. Zumindest stellen sie nicht die angemessenste Therapie dar. Eben, weil sie dem gestörten Gefüge nicht entsprechen, es eher noch mehr durcheinander bringen.

Schauen wir uns mal die Ernährung an. Sie ist notwendig, um dem Körper immer wieder alles zuzuführen, von Baustoffen über Energieträger und Hilfs- und Funktionsstoffen (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente u.a.) was er für seinen Stoffwechsel in den unfassbar vielen Zellen verschiedener Art benötigt. Die Nahrungsmittel entstammen der „organischen Welt“ dem Leben. Ob als Pflanze/Pflanzenprodukt oder Tier/Tierprodukt. Und sie enthalten bereits viele Organische Stoffe, die der Organismus weiterverwenden oder zum Ausgangsmaterial eigener organischer Stoffe machen kann. In Vielfalt.

Nahrungsmittel natürlicher Art (keine künstlichen Isolate und Konzentrate bestimmter Inhaltsstoffe) enthalten (wenn man eine gemischte Koste voraussetzt) im Grunde alles, was der essende Organismus benötigt. Und das typischerweise in Mengen, die dem Bedarf weitgehend angepasst sind. Bei natürlicher gemischter Kost ist eine einseitige Überversorgung, die dann wie Aspirin zu bestimmten Eingriffen in Abläufe führt, nicht zu erwarten. Ebenso wenig wie ein Mangel. Dazu kommt, dass ein Organismus Programme hat, die über geregelte chemische Abläufe zur Vorratshaltung von Stoffen beiträgt, die nicht immer im Angebot sind. So, weil es z.B. Jahreszeiten abhängige Ernten gibt.

Es ist von der Natur so eingerichtet, wenn man das, was sie zu bestimmten Zeiten bietet, dort wo man lebt, als Nahrung verwendet, keinen Mangel für seinen vielen chemischen Stoffwechselabläufe hat.


Nun zu den homöopathischen Arzneien: Sie enstammen der anorganischen Welt (z.B. Mineralien) aber viel mehr davon der organischen Welt - Pflanzen(teile), Tier(teile). Aus der anorganischen Welt stammen mehr oder minder „reine“ chemische Verbindungen, wie der isolierte Stoff ASS es auch ist. Mit Einwirkung nur an wenigen ganz bestimmten Wirkstellen. Woraus aber für damit verbundene Abläufe Folgen entstehen können.

Manche solcher (anorganischen) Stoffe werden auch aus Produkten genommen, die Lebewesen hergestellt haben, so dem Kalk der Austernschale das Calcium carbonicum.

Die organischen Ausgangsteile sind Gemische von vielen Stoffen. Wie die Nahrung auch. Je nach Urspruch in ganz typischer Zusammensetzung. Ein Rosenblatt enthält seine eigenen typischen Stoffe, einige andere, als die Petersilienwurzel oder der Lebertran. Diese werden alle zusammen in der Potenzierung weiterverarbeitet. Wobei weitgehend die typische Ausgangszusammensetzung erhalten bleiben sollte. Was aber technisch kaum möglich ist. Jedoch haben alle diese Zubereitungen ihre typische Zusammensetzung nach Verarbeitung. Und sie können so nach typischem Ziel (Arzneiwirkbild) eingesetzt werden.

Hahnemanns Idee könnte dann darauf so übertragen werden: Die kleinsten Mengen dieser einzelnen Teilchen wirken zusammen auf verschiedene aber zusammenhängende Stoffwechselabläufe. Sie können so ein ganzes Regelgefüge treffen. Es genügen dann kleine Mengen an verschiedenen Stellen wirkender Stoffe, um über die verschiedenen zusammen hängenden Abläufe eine Gesamtwirkung zu erzielen. Und das ohne einseitige massive Überreaktion.

Ein Homöopath, der Jahre nach Hahnemanns Tod in Paris (Hahnemann lehrte zuletzt dort, seine Lehren waren dort aktuell) tätig war, Wilhelm Heinrich Schüßler, engte diese Arbeitsweise der Homöopathie wieder ein. Es ist ungeheuer schwer, alle möglichen Wirkbilder im Kopf zu haben und mit den Symptomen des Patienten vergleichend, das möglichst deckungsstärkste Arzneimittel zu finden.

Er bediente sich mineralischer Salze (anorganische Chemie), die auf im Körper vielfältig benutzte aber nur eng beschränkte Abläufe einwirken. Keine großen Gefüge vieler Teilschritte. So konnte er eine bessere Übersicht haben für seine wenigen (12) Mittel.

So wie Hahnemann postulierte, dass seine potenzierten Arzneien nur dort Wirkung haben, wo ein System anfällig war (anderes Thema), eben weil es Störungen hatte, postulierte Schüßler, dass seine ebenfalls potenzierten Salze nur dort wirken, wo sie gebraucht werden, ansonsten einfach ausgeschieden werden.

Die Therapie mit Schüßler Salzen ist keine Homöopathie im Hahnemannschen Sinne.

Eine kurze Vorstellung kann man z.B. im Blog von Rene Gräber finden:




Wird fortgesetzt mit den Ideen zur möglichen Wirkweise der Arzneipotenzen.

Copyright K.-U.Pagel 03.2015


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