Sonntag, 8. März 2015

Arzneizubereitung nach Hahnemann – Potenzieren – Teil 3, keine Selbstheilung

Homöopathie nach Hahnemann Keine materiefreie Energie oder Information, die Lebenskraft hat keine Selbstheilungskräfte


Hahnemann wird gerne missverstanden und in eine fast schon mystische Ecke gestellt. Zunächst hatte er, das habe ich in den Teilen bisher zu erklären versucht, logisch und materiell-physikalisch gedacht. Dann im Alter in der letzten Ausgabe seines Organon brach seine Logik weg. Mit der Einführung der LM-Potenzen. Diese Ausgabe blieb nicht umsonst (auch wegen solcher Passagen) von seinen Schülern als nicht wirklich von ihm stammend (welche Rolle spielte seine Frau, die sich mit den Ideen des aufkommenden Spiritismus befasste?) über mehrere Jahrzehnte unveröffentlicht. Man hoffte, dass die Leser bei all dem bis dahin gut Nachvollziehbaren und Erprobten auch solche „Abweichungen“ erkennen.

Es müsste klar sein, dass Hahnemann bisher gerade in den Verabeitungsschritten, die keine Verdünnung sein sollten, das wesentliche Prinzip sah. Nun auf einmal weichen bei den LM-Potenzen die Verarbeitungsschritte weit hinter der reinen Verdünnung zurück. Mittels der Verschüttelungen und Verreibungen wollte er die schrittweise „Verkleinerung“ und Oberflächenvergrößerung der Arzneiausgangsstoffe (die über ihre eigenen „Lebenskräfte“ wirken) erreichen. Nun bei den LM Potenzen weicht die „Verarbeitung mittels physikalische Verschüttelungsernergie (kinetische Energie) der Idee, einen Tropfen auch noch dadurch zu verkleinern, indem man in einfach ganz fein zerstäubt. Ohne irgendwelche nenneswerte Energie darauf einwirken zu lassen. Zerstäubte und auf viele kleine Zuckerkügelchen rieseln lies. Das winzige Teilchen eines Tropfens, welches darauf haften blieb löste er mit dem Kügelchen in viel Wasser auf nichts anderes als eine extreme Verdünnung - nicht Potenzierung - um einen Tropfen davon gemäß der C-Potenzierung weiter zu verarbeiten. Davon einen Tropfen wieder zu verstäuben.

Hahnemann ist nicht wieder zu erkennen.

In seinem § 270 beschreibt er das:

Um nun diese Kraft-Entwickelung am besten zu bewirken, wird ein kleiner Theil der zu dynamisirenden Substanz, etwa Ein Gran, zuerst durch dreistündiges Reiben mit dreimal 100 Gran Milchzucker auf die unten ...angegebne Weise zur millionfachen Pulver-Verdünnung gebracht. Aus Gründen die weiter unten in der Anmerkung (6) angegeben sind, wird zuerst Ein Gran dieses Pulvers in 500 Tropfen eines, aus Einem Theile Branntwein und vier Theilen destillirtem Wasser bestehenden Gemisches aufgelöst und hievon ein einziger Tropfen in ein Fläschchen gethan. Hiezu fügt man 100 Tropfen guten Weingeist...und giebt dann dem, mit seinem Stöpsel zugepfropften Fläschgen, 100 starke Schüttelstöße mit der Hand gegen einen harten, aber elastischen Körper...geführt. Dies ist die Arznei im ersten Dynamisations-Grade, womit man feine Zucker-Streukügelchen...erst wohl befeuchtet...dann schnell auf Fließpapier ausbreitet, trocknet und in einem zugepfropften Gläschen aufbewahrt, mit dem Zeichen des ersten (I) Potenzgrades. Hievon wird nur ein einziges... Kügelchen zur weitern Dynamisirung genommen, in ein zweites, neues Fläschgen gethan (mit Einem Tropfen Wasser, um es aufzulösen) und dann mit 100 Tropfen guten Weingeistes auf gleiche Weise, mittels 100 starker Schüttel-Stöße dynamisirt. Mit dieser geistigen Arznei-Flüssigkeit werden wiederum Streukügelchen benetzt, schnell auf Fließpapier ausgebreitet, getrocknet, in einem verstopften Glase vor Hitze und Tageslicht verwahrt und mit dem Zeichen des zweiten Potenz-Grades (II.) versehen. Und so fährt man fort, bis durch gleiche Behandlung Ein aufgelöstes Kügelchen XXIX mit 100 Tropfen Weingeist, mittels 100 Schüttel-Stößen, eine geistige Arznei-Flüssigkeit gebildet hat, wodurch damit befeuchtete und getrocknete Streukügelchen den Dynamisations-Grad XXX erhalten.

Die dann folgenden Ausführungen sind immer wieder Anlass geworden, seine Homöopathie als etwas „metaphysisches“ umzudeuten:

Durch diese Bearbeitung roher Arznei-Substanzen, entstehen Bereitungen, welche hiedurch erst die volle Fähigkeit erlangen, die leidenden Theile im kranken Organism treffend zu berühren und so durch ähnliche, künstliche Krankheits-Affection dem in ihnen gegenwärtigen Lebensprincipe das Gefühl der natürlichen Krankheit zu entziehen. Durch diese mechanische Bearbeitung, wenn sie nach obiger Lehre gehörig vollführt worden ist, wird bewirkt, daß die, im rohen Zustande sich uns nur als Materie, zuweilen selbst als unarzneiliche Materie darstellende Arznei-Substanz, mittels solcher höhern und höhern Dynamisationen, sich endlich ganz...zu geistartiger Arznei-Kraft subtilisirt und umwandelt,..

Wenn Hahnemann das Wort „geistartig“ für (Lebens-)Kräfte -auch die der Arznei -benutzt hat, dann immer im bildhaften Sinne: Kräfte haben eine reale Wirkung, sie existieren. Vorausgesetzt, es gibt Materie, an der die Wirkung zu sehen ist, dann ist die Kraft über ihre Wirkung auf diese Materie (egal welcher Art) (Newton'che Physik!) zu erkennen. Jedoch ist die Kraft selbst nicht zu sehen. Es geschieht alles „wie von Geisterhand bewegt“, eben „geistartig“.

Er hat dieses schon lange zuvor, in den früheren Ausgaben des Organon mit seinen Worten unmissverständlich ausgedrückt. Warum sollte er ernsthaft im Alter etwas anders meinen und in die letzte „Fortsetzung“ des Organon schreiben, ohne diese vorherigen Passagen herauszunehmen?

Ich zitiere die vernünftigen nachvollziehbaren Aussagen:
§34

„...das instinktartige, keiner Ueberlegung und keiner Rückerinnerung fähige Lebensprincip...“

In einer Fußnote zum § 22 erläutert er zur Aufgabe der Arznei:

Bestrebungen der bloß instinktartigen, verstandlosen Lebenskraft nachahmen und sie befördern zu wollen, welche unserm Organism nur anerschaffen ward, um, solange dieser gesund ist, unser Leben in harmonischem Gange fortzuführen,

Hahnemann sieht in der Lebenskraft, dem Lebensprizip, dessen „Verstimmung“ krankhafte Lebensäußerungen (Symptome) macht überhaupt nichts, was z.B. der spiritistischen Idee des „Geistes“ überhaupt nur ähnlich klingen könnte. Eben etwas rein an die Materie gebundenes, welches dem Organismus (mit diesem) anerschaffen ist. Erschaffen und nicht von irgendwo aus „geistigen Sphären“, in denen sie „wohnt“ vorübergehend (bis zum nächsten Leben) hineingekommen. Um dann, von Organismus befreit, dorthin zurückzukehren. Solche Ideen, von der manche Homöopathie-Adaptationen nur so „triefen“, haben mit der klassischen Homöopathie nach Hahnemann nichts zu tun.


Die Homöopathie kennt keine Selbstheilungskräfte!

Er räumt in dieser Fußnote auch klipp und klar mit der gerne von manchen „Heilkundigen“ benutzten Behauptung von Selbstheilungskräften auf:

„...Lebenskraft nachahmen und sie befördern zu wollen, welche unserm Organism nur anerschaffen ward, um, solange dieser gesund ist, unser Leben in harmonischem Gange fortzuführen, nicht aber, um in Krankheiten sich selbst zu heilen. Denn besäße sie hiezu eine musterhafte Fähigkeit, so würde sie den Organism gar nicht haben krank werden lassen. Von Schädlichkeiten erkrankt, vermag unsere Lebenskraft nichts anderes, als ihre Verstimmung durch Störung des guten Lebens-Ganges des Organism's und durch Leidens-Gefühle auszudrücken, womit sie den verständigen Arzt um Hülfe anruft, und wenn diese nicht erscheint, so strebt sie durch Erhöhung der Leiden, vorzüglich aber durch heftige Ausleerungen sich zu retten, es koste, was es wolle, oft mit den größten Aufopferungen, oder unter Zerstörung des Lebens selbst. Zum Heilen besitzt die krankhafte verstimmte Lebenskraft so wenig nachahmenswerte Fähigkeit, daß alle von ihr im Organism erzeugten Befindens-Veränderungen und Symptome ja eben die Krankheit selbst sind!“

Welche Homöopathie ist gemeint? Eine neu erfundene Homöopathie, wenn behauptet wird, dass Homöopathie Selbstheilungskräfte anrege? Es ist leicht, mit Bezug auf angebliche anzuregende Selbstheilungkräfte, die Verantwortung des Behandlers auf die Patienten abzuschieben, denn der ist ja selbst für seine Heilung verantwortlich. Hahnemann hat immer den Behandler in die Verantwortung gesetzt, die „Verstimmung“ der Lebenskraft zu erkennen und die dazu korrigierende Arznei zu finden. Die richtige Arznei heilt, nicht die Lebenskraft sich selbst. Das kann sie eben nicht: Denn besäße sie hiezu eine musterhafte Fähigkeit, so würde sie den Organism gar nicht haben krank werden lassen.

Die Homöopathie kennt keine Selbstheilungskräfte!

Und auch keine Krankheitsbotschaften aus „geistigen" Bereichen.


Kommen wir auf den § 270 zurück. Auszüge aus einer Fußnote:
„... das Materielle der Arznei sich bei jedem Dynamisations-Grade ...verringert und dennoch Unglaublich an Kräftigkeit zunimmt, so daß die fernere Dynamisation ...einen Bruchtheil giebt, der sich kaum mehr in Zahlen aussprechen lassen würde. Ungemein wahrscheinlich wird es hiedurch, daß die Materie mittels solcher Dynamisationen (Entwickelungen ihres wahren, innern, arzneilichen Wesens) sich zuletzt gänzlich in ihr individuelles geistartiges Wesen auflöse und daher in ihrem rohen Zustande, eigentlich nur als aus diesem unentwickelten geistartigen Wesen bestehend betrachtet werden könne.“
Dahinter steht eine Idee schon der Griechen: Man kann etwas in immer kleinere Teile zerlegen, endet dann bei einen Mini-Teilchen, welches nicht mehr teilbar ist: –Atomos = das Unteilbare. Das ist ein heute bekannter Übergang der für auf vielen massigen Teilchen zusammengefügten „Welt“ zutreffenden Newton'chen Physik zur Atom- bis Quantenphysik der fast unendlich kleinen Teilchen.
Die Welt Newtons kennt die Masse als wägbar groß und kennt überschaubar „langsame“ Geschwindigkeiten. Geschwindigkeit ist die pro Zeiteinheit zurückgelegte Wegstrecke. Geschwindigkeit entsteht, wenn auf einen Körper Kräfte wirken, die diesen bewegen. So die Erdanziehungskraft, die einen Apfel mit berechenbarer Geschwindigkeit zu Boden fallen lässt. Und mit einer berechenbaren Aufschlagkraft aufprallen lässt. Arbeit bedeutet, dass eine bestimmte Kraft einen bestimmten Weg zurücklegen lies. Kraft ist hier die Erdanziehungskraft und die bestimmt das Gewicht (Masse) eines materiellen Teilchen. Und mit der Arbeit, die der fallende Apfel bis zur Erdoberfläche geleistet hat, gibt er die Aufprallenergie an den Boden ab. Energie ist gespeicherte Arbeit. Aber ohne eine Materie auf die die Kraft wirkte, ist keine Energie zu gewinnen. Energie ohne Materie ist undenkbar. Und der Apfel ist ja immer noch da, wenn auch vielleicht verformt, nachdem er auf den Boden fiel!
So auch in der durch die Hahnemann'sche Potenzierung (Dynamisationstechnik) erreichten „Materieverkleinerung“. Eine Folge ist, dass nun winzige Teilchen entstehen, die aber mit scheinbarer unendlicher Geschwindigkeit sausen können. So dass man zu keiner Zeit mehr bestimmen kann, wo genau sich ein Elektron (z.B.) befindet. Der Physiker Heisenberg hat das in seiner „Unschärferelation“ anklingen lassen. Und die Quantenphysik ahnt, dass eben solche Unklarheiten zusammen mit nicht erfassbaren Wirkungen der Teilchen während unendlich kurzen Zeiten aufeinander, dazu führen, dass sich selbst Ergebnisse von Versuchen nicht mehr vorausberechnen lassen.
Einstein hat in seiner Relativitätstheorie (wie etwas ist, ist in Relation der Dinge zueinander zu sehen). Auch wenn vereinfacht gesagt Zeit und Raum relativ erscheinen, der Sichtweise angepasst, macht seine berühmte Formel E=mc² eines klar: Man kann zwar die Masse m (Materie) immer kleiner werden lassen, wenn man dann nur die Geschwindigkeit c größer werden lässt (geht größer als Lichtgeschwindigkeit?) so bleibt die daraus resultierende Energie gleich. Siehe aber auch Newton: Energie ist gespeicherte Arbeit, die ist zum Beispiel die Gewichtskraft (Masse), die mit einer bestimmten Geschwindigkeit (in einer Zeiteinheit zurückgelegter Weg!) einwirkt.
Und Einstein kann nicht ohne Masse sein bei seiner Energieberechnung (gespeicherte Arbeit). Würde m nicht nur immer kleiner, sondern 0 werden, also keine Masse (Materie) mehr da, dann ergibt das Produkt E=0c² immer, dass es eben auch keine Energie geben kann. Multipliziert man etwas mit 0 ist das Ergebnis immer NULL, nichts, keine Energie.
Auch die „eigenartige „ Idee der LM-Potenzen“ führt nicht zu Materiefreiheit. Homöopathie ist eine materielle Heilweise, bei der Materie zum Einsatz kommt mit der Kraft, die in ihr steckt (als Folge gemachter Arbeit).
Und es ist ein materieller Träger erforderlich, ohne den das ungreifbar kleine Teilchen mit seiner über eine Oberflächenvergrößerung optimaler „um sich herum“ wirkenden (in Form von Energie) gespeicherten Kraft überhaupt greifbar und dosiert weitergebbar wird. Entweder in einem Wasser/Alkohol Tropfen, als Michzuckerverreibung oder auf einem Rohrzuckerkügelchen aufgetrocknet.
Ende des § 270:
zu geistartiger Arznei-Kraft subtilisirt und umwandelt, welche an sich zwar nun nicht mehr in unsere Sinne fällt, für welche aber das arzneilich gewordene Streukügelchen, schon trocken, weit mehr jedoch in Wasser aufgelöst, der Träger wird ...“
Übrigens können unsere organismischen Sinne solche kleine Teile, die noch Materie sind, nicht wahrnehmen. Sie fallen nicht in unserer recht groben Sinne. Manchen könne wir mit dem Mikroskop für diese wahrnehmbar machen, aber so kleine Teile nicht.
Ein Wort zur Informationen: Jedes Ding beinhalte immer Informationen. Ohne das Ding gibt es auch diese nicht. Das Lebensprinzip, die Lebenskraft stellt solche Information dar, macht sie sichtbar. Wie sie den Organismus am funktionieren hält, das entnimmt sie einer (materiell) gespeicherten Information. Daraus ist der Organismus geformt worden. Eine Form ist schon eine Information. Alles, was sich beobachten lässt, stellt für uns eine Information über das „was und wie“ dar. Das „was und wie“ ist greifbar, materiell. Dass Leben „lebt“ ist eine Information und auch die Lebensformen, die Erscheinungen des Lebens. Doch die Frage des warum hat nichts mit der Homöopathie Hahnemanns zu tun. Hat überhaupt nichts mit Heilkunde zu tun.
Information: von lateinisch in-formare ‚formen‘, ‚bilden‘, ‚gestalten‘, ‚ausbilden‘, ‚unterrichten‘, ‚darstellen‘, ‚sich etwas vorstellen‘ bedeutet ja nichts anderes, als dass man etwas greifbar macht. In eine Gestalt bringt. Auch wenn man sich etwas vorstellt, gibt man in Gedanken in fassbare Formen. Man materialisiert etwas.


Wie nun Homöopathische Arzneien wirken könnten (nach Hahnemanns Vorstellung) dazu in der Fortsetzung.

Copyright K.-U.Pagel 03.2015

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