Samstag, 11. April 2015

Heilkunde nach Hahnemann – keine Laiensache

Homöopathie nach Hahnemann – großes Wissen erforderlich




Was ist ein Homöopath? Ein Globuli-Diktator?

Nein. Es ist der, der das tut, was Hahnemann klar ausdrückte:
Organon § 1:

Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt 

und § 3

Sieht der Arzt deutlich ein, was an Krankheiten, das ist, was an jedem einzelnen Krankheitsfalle insbesondere zu heilen ist (Krankheits-Erkenntniß, Indication), ... und weiß er nach deutlichen Gründen das Heilende der Arzneien dem was er an dem Kranken unbezweifelt Krankhaftes erkannt hat, so anzupassen, daß Genesung erfolgen muß, anzupassen sowohl in Hinsicht der Angemessenheit der für den Fall nach ihrer Wirkungsart geeignetsten Arznei (Wahl des Heilmittels, Indicat) ...so versteht er zweckmäßig und gründlich zu handeln und ist ein ächter Heilkünstler.


Zunächst ist jeder Homöopath ein Heilkundler, der praktisch mit dem kranken Menschen „arbeitet“.
Er diagnostiziert, er wägt ab, ob denn überhaupt eine behandlungsnotwendige Erkrankung vorliegt.


Kommt Ihnen das bekannt vor? So habe ich den letzten Beitrag eingeleitet.

Hier möchte ich aus den Teilen zuvor Schlüsse ziehen. Aus den Teilen, die aufzeigten, was überhaupt zu den Grundlagen des homöopathischen Arbeitens gehört. Und ich möchte deutlich machen, dass Homöopathie ganzheitliche Heilkundeausübung darstellt, keine Laiensache sein sollte. Nach Hahnemann vorzugehen kann in der Hand des Fachmannes/der Fachfrau eine mächtige Waffe gegen Krankheiten sein.

Es mag zwar im täglichen Leben so sein, dass man innerhalb der Familie mal einen guten Rat aus eigner Erfahrung geben kann, Nachbarn und Freunde das Ohr und ein Gutes Wort leiht (man bekommt das hoffentlich zurück). Es mag zwar so sein, dass auch bei kleinen Wehwehchen mal „Omas“ Erfahrung herangezogen wird. Doch dann, wenn es für etwas tatsächlich Fachwissen braucht, ist man in der Regel vorsichtig. Insbesondere, wenn schwerwiegende Folgen aus falschen (wegen doch nicht ganz hinreichendem Wissen oder Können) Tipps und Hilfestellungen entstehen können.

Einen Lackkratzer am Auto ausbessern? OK, der Nachbar, der sonst als Bäcker arbeitet, hat da vielleicht Ideen. Doch eine defekte Bremse reparieren? Stromleitungen im Haus legen und schalten lassen? Den Gashahn austauschen? Da werden die meisten doch lieber den Fachmann/die Fachfrau, die das gelernt haben und sich einer (Gesellen-)Prüfung unterzogen haben, heranziehen. Schon, weil im Schadensfall keine Versicherung zahlen könnte. Und weil es keine Garantie gibt und man auf Mängeln sitzen bleibt.

Doch wenn es um die Gesundheit geht, wird weniger kritisch hingesehen? Da hört man sich Ratschläge an, was man nehmen sollte, um noch leistungsfähiger zu sein, um nicht so schnell zu altern usw. Von Menschen, die oftmals keine Ausbildung haben (vielleicht nur verkaufen wollen), nur etwas weitergeben, was sie mal gehört oder in Laienliteratur gelesen haben. Ein Journalist, der zur Homöopathie schreibt, ist dadurch längst kein Fachmann. Menschen, die vielleicht darüber hinaus sich der Inhaberschaft von Zertifikaten rühmen – schnell und einfach mit wenig Lernaufwand erworben (über Kursteilnahmegebühren), treten als Ratgeber auf.

Nicht unbedingt schlimm, solange man tatsächlich einigermaßen gesund ist und nicht wegen besonderer Erkrankungen keinesfalls Pauschalratschläge umsetzen darf. Es ist für manche Menschen fast zum Gesellschaftsspiel geworden, zum Selbstverwirklichungshobby: Lebensberatung, Ernährungsberatung in allen möglichen Formen und mit allen möglichen tollen Bezeichnungen. Da kann man auch ganz viele „Berufe“ erfinden, die keinerlei gesetzliche Ausbildungs- und/oder Ausübungsregelungen haben. Bücher über etwas zu schreiben und Erfahrungen zu benennen, die man nicht wirklich gemacht hat, ist nicht verboten.

Doch wenn es darum geht, dass möglicherweise Krankheiten, akut oder chronisch vorliegen könnten? Es überrascht, wie leicht Laien auch damit umgehen. Die Werbung macht es vor: Es gibt so viele Arzneien für „einfache Wehwehchen“, „Lästigkeiten“, die man sich einfach kauft und dann wird alles gut. Wem ist der Hinweis wirklich bewusst, der in Beipackzetteln steht, dass man bei Fortbestehen der Beschwerden einen Heilberufler aufsuchen sollte (meist wird nur der Arzt genannt, nicht auch der Heilpraktiker). Es kann eben auch hinter scheinbar leichten „Unpässlichkeiten“ Gefährlicheres stecken. Da braucht es den Fachmenschen (geschlechtslos formuliert).

Im § 3 des Organon hat es Hahnemann formuliert, was für die Heilkundeausübung wichtig ist: Der Arzt (ausgebildet und deswegen zur Heilkundeausübung durch den Staat zugelassen worden) muss anhand fachkundiger Diagnose mit allen dazu gehörenden Mitteln erkennen, ob eine Krankheit vorliegt und eine Behandlung notwendig ist. Oder ob vielleicht eine leichtere „Unpässlichkeit“ gegeben ist, die nur weniger Hinweise bedarf und einfacher Hilfsmittel. Auch auf den Heilpraktiker trifft das im weiten Sinne zu. Ohne staatliche Berufserlaubnis (Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz) darf niemand die Heilkunde ausüben. Er muss (überprüft) in der Lage sein, die Situation einzuschätzen und notfalls, wenn seine Grenzen überschritten sind, an den Arzt zu verweisen.

Auch wenn es scheinbar harmlose Mittel gibt, die Laien frei erhalten und einsetzen können, kann das niemals die fachliche Einschätzung von Krankheitsstand und Bedrohlichkeit ersetzen.

Im § 4 weist Hahnemann zu recht dem Heilkundler auch die Rolle zu, aus seinem Wissen heraus:

Er ist zugleich ein Gesundheit-Erhalter, wenn er die Gesundheit störenden und Krankheit erzeugenden und unterhaltenden Dinge kennt und sie von den gesunden Menschen zu entfernen weiß.

Die vorherigen Texte haben vielleicht deutlich gemacht, dass es nicht nur darauf ankommt, zu erkennen, was vorliegt: eine scheinbar chronische Erkrankung (Folge aus Dingen nach §4), eine akute Erkrankung oder eine chronische Krankheit. Vielleicht auch die Folge falscher Vorbehandlungen. Es gehört (in der Regel durch Ausbildung bei Praktikern) auch das Wissen um das, was krank machen kann und die das zu erkennen richtige Fallaufnahme dazu. Das ist Fachwissen, kein Laienwissen.

„ ...das Heilende der Arzneien dem was er an dem Kranken unbezweifelt Krankhaftes erkannt hat..“ anzupassen braucht ein tiefes Wissen um die Arzneiwirkungen und deren richtigen Einsatz im gerade vorliegenden besonderen Fall.

Reichen dazu „Anleitungsbücher“ für den interessierten Laien? Mit nur einigen pauschal dargestellten Aspekten der Arzneibilder aus?

Bei Handwerksarbeiten wurde inzwischen daraus gelernt, dass trotz Gefahren immer noch „mutige“ Hobbyhandwerker z.B. Elektroinstallationen vornehmen. Angeleitet durch „Do it yourself- Bücher“. Nun enthalten auch Steckdoseneinbausätze inzwischen (deswegen) „Beipackzettel“, die ausdrücklich auf die Gefahren unfachmenschlischer Anwendung hinweisen.

Bei Krankheiten, die man nur laienhaft einschätzen kann, oft nicht mal richtig erkennt, geht es leider ähnlich. Und es scheint noch zuzunehmen, Der Markt für Selbstbehandlung, Selbstmedikation wächst. Das „Anregen von angeblichen Selbstheilungskräfte“ boomt.

Homöopathische Arzneien scheinen hier besonders geeignet zu sein. Sie können ja scheinbar nicht schaden. Ist ja nichts drin, vielleicht nur „freie Energie“ und „Informationen“. So heißt es. Im letzten Text hatte ich die - bei richtiger Arzneiwahl und richtigem Einsatz durch den Fachmenschen – allenfalls geringen Erstverschlimmerungen erwähnt.

Tatsächlich können falsch eingesetzte homöopathische Arzneien sogar am Gesunden Prüfsymptome auslösen, nicht nur am empfindlicheren Kranken.

Sie können ggf. sogar den Patienten, seine Reaktionsbereitschaft, so verändern, dass es auch einem Fachmenschen nicht leicht wird, dann das richtige Mittel zum Einsatz zu bringen.

Insbesondere drohen Gefahren durch das zu späte Erkennen von vielleicht doch bedrohlicheren Krankheitsverläufen oder Verkennen von Krankheiten überhaupt durch den Laien. Und die dadurch verschleppte richtige Hilfe, wenn Zeit mit Selbsttherapien verloren geht. Klar kann sich auch ein Fachmensch irren, doch wird niemand bestreiten wollen, dass das viel viel häufiger Laien tun.

Dann die Beispiele, das Mütter ihren Kleinkindern bei Infekten oder anderen banalen Leiden (von der Mutter so eingeschätzt!) mit „Homöopathie“ geholfen haben. Ausgewählt aus Büchern oder nach dem, was in „Mütterkursen“ so gelehrt wurde. Vielleicht von der Nachbarin nach ihrer Erfahrung empfohlen wurde. Die Mütter sind oft beruhigt, wenn sie etwas tun können, was ihrem Kinde helfen könnte. Und das ohne „Chemie“ und „harte“ Schulmedizin. Sanft und schonend, wie es die Homöopathie ja sein soll, gemäß Organon § 2

Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachtheiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen.

Übersehen wird manchmal: „nach deutlich einzusehenden Gründen.“ Das bedarf einer Ausbildung im Wissen um den Körper und um Krankheiten. Diese liefert die Begründung für das Tun, die Krankheits-Erkenntniß, Indication (s.o. §3).

Wenn die Homöopathie als Ausübung der Heilkunde mit ihrem ganzen Wissensschatz und dem Wissen und Können der anwendenden Heilkundler ernst genommen wird, wenn endlich erkannt wird, dass Homöopathie mehr als nur harmloses „Kügelchengeben“ ist, dann muss klar sein, dass sie eine Fachdisziplin ist, die von Fachleuten ausgeübt wird.



Wird fortgesetzt

Copyright K.-U.Pagel 04.2015


Zur Kritik an der Homöopathie (Psiram) habe ich in einem anderen Blog etwas geschrieben: http://heilkundeimkontext.blogspot.de/2015_04_01_archive.html
 

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