Freitag, 16. März 2018

Münsteraner Kreis nun Konkret gegen Homöopathie als Zusatzbezeichnung für Ärzte

Der "Münsteraner Kreis" will ärztliche Zusatzbezeichnung "Homöopathie" abschaffen lassen


Nach dem Wettern gegen Heilpraktiker, bei dem schlicht übersehen wurde, dass kein Heilpraktiker die Tätigkeitserlaubnis bekommen darf, wenn nicht durch die zuständige Behörden in einer Überprüfung festgestellt wurde, dass die Kenntnisse und Fertigkeiten da sind, damit die Tätigkeit keine Gefahr für Patienten bedeutet, nun das gezielte Wettern gegen die Homöopathie.

http://muensteraner-kreis.de/media/MunsteranerMemorandumHomoopathie2018-03-14.pdf

Es heißt darin: "Es ist aus unserer Sicht ethisch nicht vertretbar, dass Ärztinnen und Ärzte systematisch Verfahren empfehlen und einsetzen (dürfen), die in der Wissenschaftlergemeinschaft als erwiesenermaßen unwirksam gelten." Welche Schelte gegen Arztkollegen. Nun ist bekannt, dass in der Medizin viel Therapien, zwar von der Mehrzahl der Wissenschaftler als wirksam angesehen werden, aber dennoch bei vielen Patienten nicht wirken oder nicht besonders gut. Wie unethisch ist es, wenn einfach solche Arzneien bei Patienten pauschal erst mal eingesetzt werden, denen diese nicht helfen (vielleicht, weil gar nicht wirklich bekannt ist, was die Wirkvoraussetzungen sind?)? Wenn dadurch in diesem Fall wirksamere Therapie nicht oder nur mit Verzögerungen engesetzt werden? Wie thisch ist es, wenn Patienten wegen falschen Hoffnungen Nebenwirkungen (die trotz der fehlenden Nutzenwirkung eintreten können) erleiden?

Also solche Ethikfragen sollte man unterlassen oder sich in die Ecke stellen und schämen. Medizin ist im Grunde, ob alternative Medizin oder die Medizin, die der Münsteraner Kreis präferriert, immer "experimentell". Außer man sieht sich ganz genau den Patienten an. Erfragt alles, auch Dinge die zunächst unwichtig erscheinen aber im Nachhinein ganz entscheidend sein können. Viel Zeit, viel genaues Zuhören und das alles für einen Apfel und ein Ei wie die GKV die "sprechende Medizin honoriert"? Eben nicht, deswegen auch so viele Therapieversager wegen falschen Einsatz beim falschen Patienten. Klar, dass dann Neid aufkommt, wenn man bemerken muss, dass für die Erarbeitung des individuellen Patientenfalls gemäß den Regeln der Homöopathie der Aufwand honoriert wird.

Es ist richtig erkannt, dass gerade diese zeitintensive sehr individuell die Besonderheiten des Patienten erfassende Vorgehensweise schon viel zum Erfolg beiträgt. Und der erfahrene Homöopathie vermag dann genau abzuwägen, wie er behandelt und wenn mit Homöopathie mit welchem Mittel in welcher Potenz(zubereitung). Warum um alles in der Welt setzt sich dieser Kreis nicht vehement dafür ein, dass jeder Arzt in seiner Praxis vor jeder Therapie eine so umfangreiche Fallaufnahme macht, wie Hahnemann sie gelehrt hat? Es ist doch unethisch, darauf zu verzichten?

Ich lasse mir bei jedem neue Patieten auch alles an Unterlagen von vorher, Krankenhaus- und Kurbericht, Laborwerte und andere Befunde vorlegen, um soviel wie möglich auch über die Vorgeschichte zu erfahren. Zu oft muss ich dabei feststellen, dass manche Berichte schlicht falsch sind, erkennbar Unsiniges enthalten?

Ich kenne den Patienten dann genau, weiß wie er wohl auf was reagieren wird, wo vielleicht versteckte Risiken und Probleme einer Therapie liegen könnten usw. Und ich ergänze mit neuen Befunden, veranlasse nötige Untesuchungen.
Schade, dass der Münsterraner Kreis sich nicht für diese Art der umfassenden Fallaufnahme einsetzt, wie sie auch Hahnemann gefordert hat, auch wenn der weniger diagnostische Maßnahmen kannte und manchen Zusammenhang nicht.

Ich persönlich halte oberflächlichen Umgang mit wichtigen Patientendaten als Basis einer Therapie für unethisch .

Und dann lese ich: " Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Homöopathen ausgerechnet Impfungen meist kritisch sehen. Denn Impfungen sind eine der ganz wenigen Ausnahmen, die dem Simile-Prinzip zumindest nahekommen, weil man mit Impfstoffen einer Krankheit vorbeugen kann, indem man Gesunden etwas gibt, das die Symptome der Krankheit hervorruft."

Oh Mann, gerade Hahnemann hat die damals einzige Impfung (Pocken) als Segen gelobt. sich diese auch für Masern und andere Krankheiten sehnlichst gewünscht, weil diese gerade dem Simileprinzig entsprechen.

Siehe dazu: https://pagelsheilkundetexte.blogspot.de/2017/07/impfen-und-homoopathie-passt.html

Mich überzeugt die Denkweise und Logik dieses Memorandums nicht.

Mir fällt auf, dass das, was der Kreis zu den Hintergründen der Homöopathie aufgrund der Lehren von Hahnemann schreibt nicht so sehr dem entspricht, was Hahnemann tatsächlich gelehrt hat und was sich aufgrund der heutigen Kenntnisse als grundsätzlich zutreffend, wenn auch mit den Worten und dem Wissen der damaligen Zeit geschrieben, zeigt.

Klar, auch so manches, was ich als Aussagen und Ideen des Zentralvereins der homöopathischen Ärzte (ZVhÄ) finde, entspricht dem nicht. Ich kann Frau Dr. Grams verstehen, dass sie ausgebrochen ist aus den Ideen des ZVhÄ, nicht aber, dass sie nicht die Irrungen neu überdacht hat und Hahnemann ergründete.

Man legt sich, das ist gemein mit vielen anderen neuen Homöopathielehren, zu recht, was passt.

Die für mich fast wichtigste Erkenntnis der Biologie und Physiologie ist, dass jedes biologische System ein Selbsterhaltungssystem (Hahnemann nennt das Lebenskraft) hat, welches immer auf Einflüsse von außen reagiert und vor allem mit dem Prinzip der Gegenregulation, um das "innere Gleichgewicht" wieder herzustellen. Das ist Lehrmeinung! Ein Arzt muss das kennen, sonst besteht er das Physikum nicht.

Genau darauf basiert die Lehre Hahnemanns: Regulationsprinzip, Selbsterhaltungssystem, nicht irgendwelche wabernden Energien. Und ein Prinzip ist immateriell! Es kommt jedoch nicht aus ohne "geschriebene" Regeln und das richtige Ablesen dieser Regeln und ihr korrektes Anwenden. Das ist es, zu was Hahnemann auffordert: zunächst zu ergründen, was denn schiefgeht und dann gibt er Ideen, wie das zu korrigieren sein könnte, über Anregung dieses Selbsrerhaltungssystems zur Wiederherstellung ihr gestörten Teilfunktion. (Sie kann es im Krankheitsfall nicht selbst, denn genau das ist der Krankheitsfall, dass sie sich nicht mehr selsbt regulieren kann. Hahnemann sagt ausdrücklich: es gibt keine Selbstheilung)

Es mag sein, dass er ohne es zu wissen, das Prinzip der Gene und der Epigenetik vorausgeahnt hat. Jedoch: Hahnemann war kein Esoteriker, auch wenn manche ihn dort einordnen wollen.

Und er sah die Impfungen als Segen und genau zu seinem Simileprinzip passend.

(c) K.-U. Pagel 03.2018

1 Kommentar:

  1. Erst gegen Heilpraktiker nun gegen die Homöpathie: Eine Ärztegruppe (Münsteraner Kreis) gegen die Patienten und ihr Recht auf freie Behandlerwahl und Therapiewahl?

    Statt endlich mal weg zu gehen von einer statistischen Medizin (statisische nicht individuelle Evidenz!) , die auf den "Erfolg" beim statistischen Durchschnittsmenschen, den s gar nicht gibt, abzuzielen, sollte endlich mal der einzelne kranke Mensch mit seinen Bedürfnissen im Blickfeld dieser Medizinethiker, Rechtmediziner u.a. "Spezialgebietler"stehen.

    Der Erfolg der Heilpraktiker und der Homöopathie und die Nachfrage danach liegt gerade darin, dass der Patient als Individuum mit den Besonderheiten seiner persönlichen Krankheit und allem was dazu gehört gesehen wird. Die Ärztegruppe weiß das und beklagt das als Placeboeffekt. Warum aber wendet sie sich nicht dagegen, das das den Patienten in der "evidenzbasierten (Statistik nicht Individuum) Medizin vorenthalten wird? Warum fordert man nicht, dass endlich (wieder) die Krankenkassen das persönliche Gespräch und die Zuwendung (gelebtes Ernstnehmen) zum Patienten angemessen bezahlen?

    In meiner Praxis hat noch niemals eine Evidenz, die aus statistischen Berechnungen geboren wurde, gesessen. Ich habe noch nie aufgrund irgendeines Messwerten, der nicht zu (immermal wieder nach wessen Ideen auch immer festgelegt) "Referrenzwerten" passt, jemanden behandelt. Heilkunde ist mehr als striktes umsetzen von "wissenschaftlichen Erkenntnis, mit Statistik validiert" auf den "Mustermann und die Musterfrau".

    Ein Kranker braucht mehr als nur "technische Verrichtung" und Verabreichung von "leitliniengerechter Standardmedikation nach leitliniengerechter Diagnostik". klar, dass das dann nur geleitet werden kann von Heilkundlern, die auch das richtige "Gespür" haben und nicht einfach nach "Kochrezept" (evidenzbasiert) vorgehen, egal, ob es allen gleich gut schmeckt oder einige "kotzen" müssen.

    Ich habe vor 40 Jahren in meinem Studium Menschen kennengelernt, die mir genau dieses Gespür beibringen wollten und es hoffentlich getan haben.

    Hat heute die Betriebswirtschaft und das Marketing zu viel Platz in der Medizin bekommen?

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